Behördengänge gehören zu den wenigen Dingen, bei denen selbst eine künstliche Intelligenz zunächst herausfinden muss, welches Formular eigentlich gemeint ist. Genau hier setzt Adler AI an. Das unabhängige und nach eigenen Angaben nicht kommerzielle Projekt will Bürger durch deutsche Verwaltungsverfahren führen, Zuständigkeiten erklären und sagen, welche Unterlagen, Gebühren oder Fristen zu beachten sind. Seit dem 3. Oktober gibt Adler an, grundsätzlich jede Gemeinde in Deutschland abzudecken. Fehlen konkrete lokale Daten, verweist der Dienst unter anderem auf die Behördennummer 115.
Die Idee ist durchaus vernünftig. Wer schon einmal zwischen kommunaler Website, Landesportal und einem PDF mit dem Charme einer Faxvorlage nach einer eindeutigen Antwort gesucht hat, kennt das Problem. Adler verspricht, Angaben zu Gebühren, Fristen und Adressen aus offiziellen Quellen zu beziehen und diese sichtbar anzugeben. Noch erledigt der Assistent allerdings deutlich weniger, als der Begriff digitaler Behördengang vermuten lässt. Termine buchen, Formulare vorausfüllen oder Anträge direkt einreichen kann er ohne Zusammenarbeit mit den jeweiligen Verwaltungen nicht. Genau dafür wirbt das Projekt inzwischen bei Behörden.
Damit beginnt auch der interessantere Teil. Ein KI-Assistent kann Verwaltungsinformationen verständlicher machen. Er kann aber nicht durch freundliche Sprache aus einer Information eine rechtsverbindliche Auskunft machen. Gerade bei Fristen, Gebühren, Zuständigkeiten oder Leistungsansprüchen reicht es nicht, dass irgendwo eine offizielle Quelle gefunden wurde. Sie muss aktuell, örtlich zutreffend und richtig interpretiert sein. Adler selbst lädt Behörden deshalb dazu ein, seine Erklärungen fachlich gegenzulesen und Änderungen mitzuteilen. Das ist sinnvoll – und zugleich ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wo die Grenzen derzeit liegen.
Das Projekt ist zudem erst seit dem 1. Oktober öffentlich gestartet und wurde innerhalb weniger Tage erheblich ausgeweitet. Das ist beeindruckend schnell. Bei Software ist Geschwindigkeit häufig eine Tugend. Bei Verwaltungsrecht darf sie gelegentlich auch Pause machen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Adler sympathischer erklärt als ein Behördenportal. Das dürfte keine besonders hohe Hürde sein. Entscheidend wird sein, wer am Ende dafür einsteht, wenn die freundliche KI sehr verständlich die falsche Auskunft gibt.
Quellen:
▪︎ Adler AI – fragdenadler.de
▪︎ Adler AI – Mit Adler zusammenarbeiten
▪︎ Adler AI – Neuigkeiten
▪︎ Adler AI – Was Adler AI abdeckt