Warum vergleichen wir uns auf Social Media?

Menschen vergleichen sich mit anderen, um die eigene Position, Fähigkeiten und Lebenssituation einzuschätzen. Dieses Verhalten ist nicht erst durch soziale Netzwerke entstanden. Die Sozialvergleichstheorie beschreibt schon seit Jahrzehnten, dass Menschen andere als Maßstab nutzen, besonders wenn objektive Kriterien fehlen. Social Media liefert dafür allerdings nahezu unbegrenzt Vergleichsmaterial.

Dabei sehen Nutzer meist keine vollständigen Lebensläufe, sondern ausgewählte Ausschnitte. Erfolge, Reisen, gutes Aussehen oder berufliche Fortschritte sind sichtbarer als Langeweile, Misserfolge oder alltägliche Probleme. Dadurch entstehen besonders leicht sogenannte Aufwärtsvergleiche: Man vergleicht sich mit Menschen, die scheinbar erfolgreicher oder attraktiver sind. Studien zeigen, dass solche Vergleiche unter bestimmten Umständen Selbstwert und Wohlbefinden beeinträchtigen können. Bei Jugendlichen wurde beispielsweise ein Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung, häufigeren Aufwärtsvergleichen und geringerem Wohlbefinden beobachtet.

Vergleiche sind jedoch nicht grundsätzlich schädlich. Andere Menschen können auch Orientierung, Motivation oder Inspiration bieten. Forschungsergebnisse fallen entsprechend unterschiedlich aus und zeigen starke individuelle Unterschiede. Entscheidend sind unter anderem Persönlichkeit, betrachtete Inhalte und die jeweilige Situation.

Social Media verstärkt daher vor allem eine ohnehin menschliche Neigung: Wir wollen wissen, wo wir stehen. Neu ist, wie viele Vergleichsmöglichkeiten jederzeit verfügbar sind.


Quellen:
▪︎ Current Treatment Options in Psychiatry: Social Comparison and Mental Health
▪︎ Psychology & Marketing: Social comparison theory: A review and future directions
▪︎ Nature Reviews Psychology: Social comparison links social media use and well-being