Social Media kann Einsamkeit verstärken, muss es aber nicht. Entscheidend ist vor allem, wie die Plattformen genutzt werden. Eine aktuelle Meta-Analyse mit mehr als 81.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen fand einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Einsamkeit. Besonders deutlich war er bei problematischer Nutzung, während die reine Nutzungsdauer nur schwach mit Einsamkeit zusammenhing.
Dabei ist Ursache und Wirkung nicht leicht auseinanderzuhalten. Menschen können sich einsamer fühlen, weil ihre Social-Media-Nutzung reale Kontakte verdrängt oder weil ständige Vergleiche mit anderen belasten. Umgekehrt greifen einsame Menschen möglicherweise häufiger zu sozialen Netzwerken, um Kontakt und Zugehörigkeit zu suchen. Längsschnittstudien sprechen dafür, dass beide Richtungen eine Rolle spielen können.
Auch Untersuchungen der Europäischen Kommission zeigen, dass intensive passive Nutzung, also vor allem das Beobachten anderer ohne eigenen Austausch, häufiger mit Einsamkeit verbunden ist. Für aktive Nutzung und intensive Verwendung von Messengern zeigte sich dieser Zusammenhang dagegen nicht eindeutig.
Social Media ist deshalb weder automatisch ein Einsamkeitsverstärker noch ein Ersatz für persönliche Beziehungen. Es kann bestehende Kontakte unterstützen und neue ermöglichen. Problematisch wird es eher dann, wenn digitale Kontakte reale Beziehungen verdrängen, die Nutzung zwanghaft wird oder soziale Vergleiche das eigene Wohlbefinden dauerhaft belasten.
Quellen:
▪︎ Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology: Exploring the relationship between social media use and loneliness in adolescents and young adults
▪︎ Journal of Medical Internet Research: Loneliness and Problematic Media Use
▪︎ Europäische Kommission, Joint Research Centre: Loneliness and social media use in the European Union