Hollywood lebt von Illusionen. Und offenbar gehört inzwischen auch die Vorstellung dazu, dass man über die Herstellung dieser Illusionen besser nicht allzu viel erfährt. Schauspieler und Regisseur Ben Affleck hat bei seinem neuen Netflix-Thriller „Animals“ Künstliche Intelligenz eingesetzt. Nicht nur gelegentlich, sondern nach eigener Aussage für zahlreiche Aufgaben. Welche das genau waren, möchte er allerdings lieber für sich behalten.
Bei der Branchenveranstaltung „Screentime 2026“ erklärte Affleck, Filme müssten eine glaubwürdige Realität erschaffen. Wer einem Publikum vor einer Zaubervorstellung verrate, wo das Kaninchen versteckt sei, zerstöre schließlich den Zauber. Ein durchaus hübscher Vergleich. Allerdings besteht ein Unterschied zwischen einem Zaubertrick und der Frage, welche Menschen an einer Filmproduktion beteiligt waren und welche Arbeiten inzwischen Maschinen übernehmen.
Affleck betont, KI solle menschliche Kreativität unterstützen und keinesfalls ersetzen. Sein Thriller „Animals“, der am 9. Oktober 2026 bei Netflix und in ausgewählten Kinos startet, sei dafür ein gelungenes Beispiel. Mit dabei sind neben Affleck unter anderem Kerry Washington, Steven Yeun und Gillian Anderson. Wie genau die künstliche Intelligenz bei der Produktion geholfen hat, bleibt weitgehend unbekannt. Das Publikum soll offenbar vor allem eines tun: vertrauen.
Ganz uneigennützig ist Afflecks Begeisterung für die Technologie allerdings nicht. Er gründete das KI-Unternehmen InterPositive, das Netflix im März 2026 übernahm. Die Software soll unter anderem die Nachbearbeitung von Filmen vereinfachen. Affleck ist damit nicht nur überzeugter Anwender, sondern auch wirtschaftlich mit der Entwicklung entsprechender Technologien verbunden. Ob die Werkzeuge seines Unternehmens bei „Animals“ verwendet wurden, hat er nicht eindeutig offengelegt.
Gerade deshalb wäre etwas mehr Transparenz durchaus angebracht. In Hollywood wird seit Jahren über den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen, Urheberrechte und die Zukunft kreativer Berufe gestritten. Wer behauptet, KI werde niemanden ersetzen, beantwortet damit noch lange nicht die Frage, ob künftig weniger Kameraleute, Spezialisten für visuelle Effekte oder andere Filmschaffende beschäftigt werden. Auch eine Technologie, die Menschen lediglich unterstützt, kann dafür sorgen, dass Unternehmen weniger Menschen benötigen.
Affleck möchte den Zauber des Kinos bewahren. Verständlich. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass hinter diesem Zauber Menschen arbeiten. Und für die könnte es irgendwann ziemlich ernüchternd werden, wenn sie feststellen, dass sie selbst der Teil des Tricks sind, der verschwinden soll.
Quellen:
▪︎ n-tv – Ben Affleck verteidigt Einsatz von KI in seinem Film, 2. Oktober 2026
▪︎ Reuters Connect / Cover Media – Ben Affleck reveals he used AI in new movie Animals, 2. Oktober 2026
▪︎ Netflix – Innovation for Filmmaking, By Filmmakers: Why InterPositive Is Joining Netflix, 5. März 2026
▪︎ People – Ben Affleck Says He Used AI for ‚Lots of Things‘ While Directing His Netflix Movie „Animals“