Propaganda hatte früher einen gewissen handwerklichen Anspruch. Man brauchte Plakate, Kameras, Redaktionen, überzeugte Mitarbeiter und im Idealfall wenigstens eine halbwegs brauchbare Lüge. Inzwischen genügt ein Bildgenerator und etwas freie Zeit zwischen Mittagessen und nächster Kabinettssitzung.
Das Ergebnis heißt Slopaganda. Gemeint sind massenhaft produzierte KI-Bilder, Videos und Memes, die politische Botschaften verbreiten, Gegner verspotten oder schlicht so viel synthetisches Material in die Öffentlichkeit kippen, bis kaum noch jemand weiß, was davon eigentlich wichtig war. Entscheidend ist dabei nicht unbedingt, dass ein einzelnes Bild geglaubt wird. Es reicht häufig, wenn es geteilt, kommentiert und empört weitergereicht wird. Forscher beschreiben genau diese Verschiebung: weg von der überzeugenden Lüge, hin zur Überflutung der Aufmerksamkeit.
Wie praktisch das funktioniert, ließ sich 2026 im Umfeld des Iran-Konflikts beobachten. Das Weiße Haus mischte reale Aufnahmen von Luftangriffen mit Ausschnitten aus Filmen, Videospielen und Anime. Auf iranischer Seite kursierten wiederum KI-generierte Bilder angeblicher Angriffe sowie Videos, in denen Donald Trump, Benjamin Netanjahu und sogar Satan als Legofiguren auftraten. Politik erreicht damit ungefähr die visuelle Reife eines Kinderzimmers, allerdings mit Raketen.
Donald Trump machte aus dem Verfahren längst eine eigene Kommunikationsform. Eine Analyse der Financial Timeszählte 2026 mehr als 75 von ihm verbreitete KI-Bilder und einen starken Anstieg solcher Beiträge im Mai. Präsidenten können sich nun als Helden, Piloten oder religiöse Figuren darstellen lassen, ohne dafür lästige Dinge wie Ereignisse abwarten zu müssen.
Das Verstörende daran ist deshalb nicht die Qualität. Gerade deren Bedeutungslosigkeit macht das Verfahren billig, schnell und praktisch unbegrenzt skalierbar. Propaganda musste einmal Menschen überzeugen. Slopaganda muss nur noch genug Bildschirmfläche besetzen.
Die industrielle Herstellung politischen Unsinns ist damit keine Begleiterscheinung mehr. Sie ist das Verfahren.
Quellen:
▪︎ Michał Klincewicz, Mark Alfano, Amir Ebrahimi Fard: Slopaganda: The interaction between propaganda and generative AI
▪︎ Tilburg University: Slopaganda: How AI-generated content becomes a political weapon
▪︎ Financial Times: Inside Donald Trump’s AI ‘slopaganda’ machine
▪︎ Axios: The first AI-era war is a “slopaganda” battle to control memes