Die künstliche Intelligenz erledigt Aufgaben schneller, formuliert überzeugender und produziert Ergebnisse in beeindruckender Geschwindigkeit. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Jedenfalls für diejenigen, die anschließend nicht überprüfen müssen, ob das Ergebnis überhaupt etwas taugt.
Eine am 21. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung des Softwareunternehmens monday.com liefert dazu bemerkenswerte Zahlen. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen befragte im Auftrag des Anbieters 1.701 Führungskräfte aus sieben Ländern. 53 Prozent erklärten, dass künstliche Intelligenz die Bewertung der individuellen Leistungen ihrer Beschäftigten erschwere. 47 Prozent verbringen inzwischen nach eigenen Angaben mehr Zeit damit, Arbeitsergebnisse zu kontrollieren und ihre Mitarbeiter anzuleiten. Trotzdem begrüßen 94 Prozent die Möglichkeiten, Arbeitsabläufe mithilfe von KI zu verbessern.
Die Begeisterung ist offenbar größer als die Entlastung.
Das Problem beginnt bei einer bislang recht einfachen Unterscheidung. Ein ordentlich formulierter Bericht ließ zumindest vermuten, dass sein Verfasser sich mit dem Thema beschäftigt hatte. Heute kann derselbe Bericht innerhalb weniger Sekunden entstehen. Die sprachliche Qualität sagt damit immer weniger darüber aus, ob der zuständige Mitarbeiter den Inhalt verstanden hat. Ein überzeugender Text ist schließlich noch kein Nachweis überzeugender Fachkenntnisse.
Für Führungskräfte entsteht daraus eine neue Aufgabe. Sie müssen nicht nur beurteilen, ob ein Arbeitsergebnis richtig ist, sondern zunehmend auch, welche menschliche Leistung tatsächlich dahintersteht. Wer lediglich die fertige Präsentation betrachtet, erfährt wenig darüber, ob ihr Ersteller die Zusammenhänge verstanden oder nur einen brauchbaren Prompt formuliert hat.
Natürlich ist das kein Argument gegen künstliche Intelligenz. Wer Routinearbeiten automatisiert, kann Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten gewinnen. Allerdings setzt das voraus, dass die eingesparte Arbeitszeit nicht an anderer Stelle durch zusätzliche Kontrollen wieder verbraucht wird. Mehr produzierte Dokumente bedeuten schließlich nicht automatisch mehr erledigte Arbeit.
Die Untersuchung beruht auf Selbstauskünften und beweist keine allgemeine Produktivitätsverschlechterung. Sie zeigt aber einen bemerkenswerten organisatorischen Widerspruch. Unternehmen führen künstliche Intelligenz ein, um ihre Beschäftigten effizienter zu machen, während sie gleichzeitig neue Verfahren benötigen, um deren Leistungen überhaupt noch beurteilen zu können.
Früher mussten Vorgesetzte gelegentlich überprüfen, ob ihre Mitarbeiter ordentlich gearbeitet hatten. Heute müssen sie zusätzlich herausfinden, ob ihre Mitarbeiter überhaupt gearbeitet haben.
Quellen:
▪︎ monday.com, The AI Report 2026, 21. Oktober 2026
▪︎ monday.com / Nielsen, Squinting in the Sun, 2026
▪︎ TechCrunch, AI promises productivity, but for managers, it’s mostly a headache for now, 21. Oktober 2026