Der digitale Kollege braucht Betreuung

Früher organisierte die Assistenz Termine, Reisen, Korrespondenz und gelegentlich das Chaos anderer Leute. Heute kommt noch eine Aufgabe dazu: Sie soll lernen, wie man die Software bedient, die einen Teil dieser Arbeit übernehmen soll. Fortschritt erkennt man manchmal daran, dass für die Automatisierung der Arbeit erst einmal neue Arbeit entsteht.

Heute Abend findet in München unter dem Titel „KI im Assistenz-Alltag. Anwenden. Hinterfragen. Weiterdenken.“ eine Veranstaltung speziell für Office Professionals statt. Auf dem Programm stehen praktische KI-Anwendungen, Future Skills, kritische Einordnung und die Frage, wie künstliche Intelligenz sinnvoll in den Assistenzalltag eingebaut werden kann. Das passt ziemlich genau zu einem Berufsfeld, in dem sich der Wandel besonders gut beobachten lässt.

Denn Terminplanung, Recherche, Korrespondenz, Protokolle und Organisation gehören zu den Aufgaben, bei denen KI längst mitmischt. Gleichzeitig wächst rund um diese Werkzeuge ein eigener Fortbildungsmarkt. Es gibt Seminare zu ChatGPT und Copilot, Kurse über KI-gestützte Korrespondenz, intelligente Protokolle, Microsoft 365 und sogar einen „KI-Führerschein für die Assistenz“.

Die Arbeit verschwindet also nicht einfach. Sie verändert ihre Verpackung. Wer früher eine Mail formulierte, formuliert heute vielleicht den Prompt dafür, prüft anschließend das Ergebnis, korrigiert Halluzinationen, achtet auf Datenschutz und entscheidet am Ende doch selbst, ob die Mail verschickt werden kann. Automatisierung ist offenbar besonders effizient, wenn weiterhin jemand daneben sitzt und aufpasst.

Das ist keine Kritik an solchen Schulungen. Im Gegenteil. Je stärker KI in klassische Büroarbeit eindringt, desto wichtiger wird es, ihre Grenzen zu kennen. Interessant ist nur die Erzählung vom großen Wegfall menschlicher Arbeit. Denn bisher entsteht parallel eine neue Tätigkeitsschicht aus Kontrolle, Auswahl, Schulung und Fehlerkorrektur.

Vielleicht bekommt die Sekretärin also keinen digitalen Ersatz.

Vielleicht bekommt sie einfach einen neuen Kollegen, den sie noch zusätzlich beaufsichtigen muss.


Quellen:
▪︎ Eventbrite: #WeWood – What’s next?, 15. September 2026
▪︎ Haufe Akademie: KI in der Assistenz
▪︎ Management Circle: KI im Office – ChatGPT, Copilot & Co.