In den Vereinigten Staaten lässt sich inzwischen sogar die Geschwindigkeit präsidialer Mitteilungen kaufen. Wer wissen möchte, was Donald Trump gerade verkündet, kann Truth Social kostenlos nutzen. Wer es einige Millisekunden früher erfahren möchte, benötigt dagegen ein ordentliches Budget. Bis zu 100.000 Dollar im Monat. Dafür gibt es keine besseren Informationen. Nur dieselben ein wenig früher.
Nach einer Reuters-Recherche vom 28. Oktober 2026 gehören der Finanzdatendienst Bloomberg sowie die Hochfrequenzhändler Susquehanna International Group und Jump Trading zu den Kunden des kostenpflichtigen Dienstes. Die technische Schnittstelle namens Truth API soll Beiträge ungefähr 50 Millisekunden schneller liefern als gewöhnliche Zugriffswege. Trump Media verlangt dafür nach eigenen Angaben zwischen 60.000 und 100.000 Dollar monatlich.
Fünfzig Millisekunden sind für einen Menschen praktisch nichts. Für automatisierte Handelssysteme können sie einen entscheidenden Unterschied bedeuten. Wenn der amerikanische Präsident überraschend Zölle ankündigt, geopolitische Konflikte kommentiert oder wirtschaftspolitische Entscheidungen verkündet, können Finanzmärkte unmittelbar reagieren. Wer zuerst informiert ist, kann möglicherweise zuerst handeln. Wer später kommt, bekommt immerhin noch die Erklärung.
Besonders bemerkenswert ist die Eigentümerstruktur. Trumps Familientrust hält rund 41 Prozent an Trump Media. Der Präsident ist dessen alleiniger wirtschaftlicher Begünstigter. Damit profitiert er mittelbar von einem Unternehmen, das den besonders schnellen Zugang zu seinen eigenen Äußerungen vermarktet. Eine bemerkenswerte Verbindung zwischen öffentlichem Amt und privatem Geschäftsmodell.
Die demokratischen Senatoren Elizabeth Warren und Adam Schiff haben die amerikanische Börsenaufsicht SEC bereits aufgefordert, mögliche Verstöße gegen Wertpapiergesetze zu untersuchen. Eine Klage von Medienorganisationen stellt zudem die Frage, ob amtliche Informationen auf diese Weise bevorzugt zahlungskräftigen Interessenten zugänglich gemacht werden dürfen. Trump Media weist die Kritik zurück und bezeichnet sein Angebot als branchenüblichen technischen Dienst. Ob das Modell rechtswidrig ist, bleibt ungeklärt.
Natürlich sind Programmierschnittstellen im Finanzgeschäft nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist allerdings, dass hier ein amtierender Präsident selbst die handelbaren Informationen produziert und über seine Unternehmensbeteiligung wirtschaftlich mit dem Vertrieb verbunden ist.
Die Öffentlichkeit darf weiterhin kostenlos erfahren, was ihr Präsident mitteilt. Sie muss nur akzeptieren, dass zahlungskräftige Marktteilnehmer möglicherweise schon vorher darauf reagieren konnten.
Früher hieß das Informationsvorsprung. Heute gibt es dafür offenbar ein Monatsabonnement.
Quellen:
▪︎ Reuters, 28. Oktober 2026 – Bloomberg und zwei Handelsunternehmen erwerben schnelleren Zugang zu Trumps Beiträgen
▪︎ Reuters, 17. Juli 2026 – Trump Media bietet kostenpflichtigen Schnellzugang zu Präsidentenbeiträgen an
▪︎ Reuters, 29. Juli 2026 – Warren und Schiff fordern Untersuchung durch die SEC
▪︎ Reuters, 12. August 2026 – Klage gegen den kostenpflichtigen Frühzugang
▪︎ Handelsblatt, 29. Oktober 2026 – Wall-Street-Firmen kaufen schnelleren Zugang zu Trumps Beiträgen