Medienkompetenz war lange eine recht übersichtliche Angelegenheit. Quelle prüfen. Nicht jeden Unsinn glauben. Im Zweifel noch einmal nachsehen. Seit KI täuschend echte Bilder und Videos produzieren kann, kommt offenbar eine weitere Fähigkeit hinzu: Man muss wissen, dass etwas falsch ist, und anschließend sein eigenes Gehirn davon überzeugen. Eine Anfang Januar 2026 veröffentlichte Studie von Simon …
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Ich mach doch nix
Friedrich Merz hat ein bemerkenswert entspanntes Verhältnis zu Beleidigungen entwickelt. Jedenfalls seit er Bundeskanzler ist. Früher sah das anders aus. Als Bundestagsabgeordneter ließ Merz Beschimpfungen im Netz strafrechtlich verfolgen. Recherchen der Welt am Sonntag zufolge ging es unter anderem um Formulierungen wie „kleiner Nazi“, „Arschloch“ oder „drecks Suffkopf“. In einzelnen Fällen folgten Hausdurchsuchungen. Die von …
Wenig Vertrauen, viel Werbung
Influencer haben ein Vertrauensproblem. Für die Werbeindustrie ist das offenbar kein Grund, auf sie zu verzichten. Schließlich wäre es wirtschaftlich ausgesprochen unpraktisch, ausgerechnet jene Menschen nicht mehr für Werbung zu bezahlen, deren Beruf darin besteht, anderen Menschen Produkte zu empfehlen. Glaubwürdigkeit ist wichtig. Reichweite allerdings auch. Und die lässt sich wenigstens ordentlich in Zahlen darstellen. …
Erst angegriffen, dann weggeschickt
Wer eine politische Veranstaltung filmt, muss offenbar damit rechnen, anschließend selbst zum Problem erklärt zu werden. Bei einer AfD-Veranstaltung am 3. Oktober in Fürstenwalde wurde ein YouTuber angegriffen. Die Polizei griff ein und erteilte anschließend dem Angegriffenen einen Platzverweis. Der mutmaßliche Angreifer durfte bleiben. Eine bemerkenswerte Auslegung der Gefahrenabwehr, bei der sich die Situation offenbar …
Reichweite auf der Wiesn kostet
Auf dem Oktoberfest kann man weiterhin Bier trinken, Dirndl tragen und sein Handy hochhalten. Schwierig wird es erst, wenn das Foto anschließend Geld verdient. Rund 450 Influencer-, Werbe- und Unternehmenslizenzen hat die Stadt München für die Wiesn 2026 bis zum Tag nach Festende vergeben. Die Einnahmen lagen nach Angaben des Wirtschaftsreferats im niedrigen sechsstelligen Bereich. …
Datenschutz bekommt eine Brille
Technischer Fortschritt hat eine bemerkenswerte Eigenschaft: Er kommt meistens schneller als die gesellschaftliche Debatte darüber. Inzwischen trägt man Kameras im Gesicht, Fitnessstudios funktionieren nachts ohne Personal und Sicherheitsbehörden sollen immer größere Datenbestände auswerten können. Die Datenschutzkonferenz hat sich deshalb auf ihrer Zwischenkonferenz am 23. September gleich mit mehreren Varianten derselben Frage beschäftigt: Nur weil Daten …
Öffentlichkeitsarbeit wird Creator-Content
Das Pentagon verfügt über Soldaten, Generäle, Pressesprecher und vermutlich mehr Kommunikationspersonal als manche Staaten Einwohner haben. Trotzdem kann es offenbar nicht schaden, zusätzlich Jake und Logan Paul einzuladen. Reichweite ist schließlich auch eine Form strategischer Infrastruktur. Die beiden Brüder besuchten am 17. September das Pentagon, trafen Verteidigungsminister Pete Hegseth, ließen sich durch das Gebäude führen …
Endlich wieder schlechte Nachrichten
Eigentlich könnte man meinen, dass Menschen genug davon hätten. Krieg, Krisen, Klimawandel, politische Verwerfungen, künstliche Intelligenz, Arbeitsplatzängste und zwischendurch noch die Erinnerung daran, dass der Planet irgendwann ohnehin von der Sonne verschluckt wird. Trotzdem nehmen wir das Smartphone in die Hand und schauen nach, ob vielleicht noch etwas Schlimmeres passiert ist. Dafür gibt es inzwischen …
Selbstständig, solange YouTube zustimmt
Die schönste Form der Selbstständigkeit ist vermutlich jene, bei der ein fremdes Unternehmen gelegentlich die Voraussetzungen ändert, unter denen man sein Geld verdienen darf. YouTube liefert dafür gerade ein recht anschauliches Beispiel. Ab dem 1. Februar 2027 steigen für neue Creator die Hürden für die vollständige Beteiligung an Werbeerlösen und YouTube Premium deutlich. Statt bislang …
Bitte beachtet mich
Der Mensch wollte schon immer gemocht werden. Neu ist lediglich, dass er heute nachsehen kann, wie sehr. 37 Likes, sechs Herzen, zwei neue Follower. Anerkennung, früher eine eher unübersichtliche Angelegenheit aus Blicken, Gesprächen und gelegentlichem Schulterklopfen, hat endlich eine Benutzeroberfläche bekommen. Dass das funktioniert, ist gut untersucht. Likes können den Selbstwert kurzfristig heben und sprechen …
Der falsche Freund
Es gibt inzwischen einen Gesprächspartner, der immer Zeit hat, geduldig zuhört und erstaunlich selten sagt: Vielleicht redest du gerade Unsinn. Menschen erzählen Chatbots längst Dinge, die sie nicht bei Instagram posten würden. Beziehungsprobleme, berufliche Sorgen, Ängste, Zweifel und Gedanken, für die selbst der engste Freund manchmal nur noch ein vorsichtiges „Hm“ übrig hätte. Die Maschine …
Twitter ist tot. Vor Gericht lebt es weiter
Twitter heißt seit drei Jahren X. Der blaue Vogel wurde entsorgt, Tweets wurden zu Posts und Elon Musk erklärte seinerzeit ziemlich unmissverständlich, man werde sich von der Twitter-Marke und nach und nach auch von allen Vögeln verabschieden. Nun zeigt sich: Abschiednehmen ist leicht. Loslassen offenbar schwieriger. Das Unternehmen Operation Bluebird wollte ausgerechnet dort weitermachen, wo …
Kinderschutz für 18 Milliarden
Meta hat den Kinderschutz entdeckt. Es brauchte dafür nur jahrelange Kritik, Klagen amerikanischer Bundesstaaten und einen Vergleich, der bis zu 18 Milliarden Dollar kosten kann. Manche pädagogischen Erkenntnisse brauchen offenbar einen gewissen finanziellen Nachdruck. Ende August einigte sich der Konzern im Streit um die Auswirkungen von Facebook und Instagram auf Minderjährige auf weitreichende Änderungen. Jugendliche …
Das Rezept für 820 Kilo Haschisch
Es gibt Influencer, die verkaufen Proteinpulver, Kosmetik oder den Eindruck, ihr Leben bestehe hauptsächlich aus Sonnenuntergängen. Georges Dib verkaufte Süßigkeiten. Die libanesische Justiz wirft ihm allerdings vor, dass seine Produkte gelegentlich über eine bemerkenswert reichhaltige Zutatenliste verfügten. Dib, auf TikTok als „Dr Food“ bekannt und dort von mehr als acht Millionen Menschen verfolgt, wurde am …
Erst benutzen, dann fragen
Meta hat im Juli eine bemerkenswerte Vorstellung davon geliefert, was Zustimmung im Zeitalter künstlicher Intelligenz bedeuten kann. Mit dem neuen Bildgenerator Muse Image konnten Instagram-Nutzer öffentliche Accounts erwähnen und deren Fotos als Ausgangsmaterial für KI-generierte Bilder verwenden. Wer sein Profil öffentlich gestellt hatte, durfte damit gewissermaßen auch als unfreiwilliger Rohstofflieferant für fremde Kreativität dienen. Informiert …
Das Fitnessstudio als Filmset
Ein Fitnessstudio ist eigentlich ein überschaubarer Ort. Menschen gehen hin, trainieren, schwitzen und versuchen dabei möglichst wenig darüber nachzudenken, wie sie aussehen. Dann kamen Influencer. Die Fitness-Influencerin Edda Pilz bekam im Juli Ärger mit der Kette John Reed und durfte dort schließlich nicht mehr trainieren. Nach Darstellung des Unternehmens war das kein spontaner Rauswurf, sondern …
Traumjob mit Nebenwirkungen
Influencer zu sein gilt als Traumjob, bis der Traumjob verlangt, dass man regelmäßig arbeitet. Dann beginnt erstaunlich schnell die Debatte über Leistungsdruck, Burnout und die brutale Zumutung, auch an einem Dienstag etwas veröffentlichen zu müssen. Ganz erfunden ist das Problem nicht. Wer von Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube lebt, hängt von Reichweite ab, und …
Die Schattenseite der Reichweite
Das Geschäftsmodell Influencer beruht auf Nähe. Man spricht nicht zu einem Publikum, sondern angeblich mit Freunden. Man nimmt sie mit ins Schlafzimmer, an den Frühstückstisch und durch den eigenen Alltag. Problematisch wird dieses Prinzip spätestens dann, wenn ein beträchtlicher Teil dieser Freunde noch zur Schule geht. Der Fall des britisch-polnischen YouTubers Stuart K.-B., bekannt als …
Kolonialismus für Klicks
Es gibt auf diesem Planeten tatsächlich noch Menschen, die nicht gefilmt werden möchten. Für die moderne Creator Economy ist das offenbar weniger ein Wunsch als eine Herausforderung. Der US-Amerikaner Mykhailo Polyakov fuhr im März 2025 mit einem Schlauchboot nach North Sentinel Island, obwohl die indischen Behörden den Kontakt zu den dort lebenden Sentinelesen ausdrücklich verbieten. …
Geschäftsmodell Nichtskönnen
Früher musste man für öffentliche Aufmerksamkeit wenigstens irgendetwas vorweisen. Man konnte singen, schauspielern, einen Roman schreiben, einen Weltrekord laufen oder notfalls einen Wetterbericht moderieren. Heute genügt eine erstaunlich konsequente Anwesenheit. Millionen Menschen verfolgen auf Instagram, TikTok oder YouTube, wie andere Menschen frühstücken, einkaufen, Beziehungen beginnen, Beziehungen beenden, schwanger werden, sich trennen, umziehen oder darüber berichten, …