Das Pentagon verfügt über Soldaten, Generäle, Pressesprecher und vermutlich mehr Kommunikationspersonal als manche Staaten Einwohner haben. Trotzdem kann es offenbar nicht schaden, zusätzlich Jake und Logan Paul einzuladen. Reichweite ist schließlich auch eine Form strategischer Infrastruktur.
Die beiden Brüder besuchten am 17. September das Pentagon, trafen Verteidigungsminister Pete Hegseth, ließen sich durch das Gebäude führen und sprachen vor Militärangehörigen. Drei Tage später veröffentlichte das Verteidigungsministerium Aufnahmen davon in seinen sozialen Netzwerken. Dort wurden die früheren YouTube-Stars und heutigen Unternehmer und Kampfsport-Promoter als Gäste präsentiert, die gekommen seien, um die amerikanischen „warriors“ zu treffen. Der Besuch war damit nicht bloß ein privater Rundgang, sondern verwertbarer Behörden-Content.
Grundsätzlich ist daran wenig geheimnisvoll. Regierungen suchen seit jeher nach Wegen, ihre Botschaften dorthin zu bringen, wo sich die gewünschte Öffentlichkeit gerade aufhält. Früher waren das Zeitung, Radio und Fernsehen. Heute gehört eben auch der Influencer mit Millionenpublikum zum Werkzeugkasten. Bereits 2025 traf Hegseth im Pentagon mit Social-Media-Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Armee zusammen.
Interessanter ist deshalb nicht, dass das Pentagon Öffentlichkeitsarbeit betreibt, sondern welche Form diese inzwischen annimmt. Influencer funktionieren gerade deshalb so gut, weil sie nicht wie Behördenkommunikation wirken. Ihr Publikum folgt ihnen wegen Unterhaltung, Sport oder Persönlichkeit. Die institutionelle Botschaft reist anschließend gewissermaßen im Handgepäck mit.
Genau darin liegt auch die problematische Seite dieser Kommunikationsform. Journalisten sollen Distanz herstellen, Fragen stellen und Interessen offenlegen. Influencer leben dagegen von Nähe, Identifikation und einer möglichst reibungslosen Beziehung zum Publikum. Das macht sie nicht automatisch zu Propagandisten. Es macht sie aber für Institutionen außerordentlich attraktiv, wenn diese Menschen erreichen wollen, die bei einer klassischen Pressekonferenz vermutlich schon am Wort „Pressekonferenz“ ausgestiegen wären.
Der Staat hat also nicht plötzlich das Influencing entdeckt. Er hat lediglich verstanden, dass Öffentlichkeitsarbeit heute am überzeugendsten sein kann, wenn sie möglichst wenig nach Öffentlichkeitsarbeit aussieht.
Quellen:
▪︎ Task & Purpose, „Paul brothers visit Pentagon, speak to troops“, 20. September 2026
▪︎ F4W/WON, „Logan & Jake Paul visit, give speech at The Pentagon“, 20. September 2026
▪︎ U.S. Department of Defense, „Table Talk“, Treffen Pete Hegseths mit Army-Social-Media-Influencern, 9. Juni 2025