Kann KI Journalisten ersetzen?

KI kann bereits Teile journalistischer Arbeit übernehmen, Journalisten aber nicht vollständig ersetzen. Besonders gut funktioniert sie bei standardisierten und vorbereitenden Aufgaben. Sie kann große Dokumentenmengen durchsuchen, Interviews transkribieren, Texte zusammenfassen, Übersetzungen erstellen oder Vorschläge für Überschriften liefern. Die Associated Press erlaubt solche Anwendungen ausdrücklich, verlangt aber weiterhin menschliche Kontrolle vor einer Veröffentlichung.

Auch in Redaktionen ist KI inzwischen weit verbreitet. Eine Untersuchung des Reuters Institute ergab, dass mehr als die Hälfte der befragten britischen Journalisten KI mindestens einmal pro Woche beruflich nutzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Recherche und redaktionelle Entscheidungen automatisiert werden können. Journalismus besteht nicht nur aus Textproduktion. Quellen müssen überprüft, Interessen erkannt, Aussagen eingeordnet und Entscheidungen über Relevanz getroffen werden. Hinzu kommen Gespräche mit Menschen, Vor-Ort-Recherche und die Verantwortung für veröffentlichte Informationen.

Gerade hier liegen die Grenzen heutiger KI-Systeme. Sie können Fehler produzieren, Quellen falsch wiedergeben oder überzeugend klingende Angaben erzeugen, die nicht stimmen. Außerdem fehlt ihnen eigene journalistische Verantwortung.

Wahrscheinlicher ist deshalb eine Arbeitsteilung: KI übernimmt zunehmend Routineaufgaben und unterstützt Recherche sowie Produktion. Journalisten bleiben für Überprüfung, Einordnung, Entscheidungen und Verantwortung zuständig.


Quellen:
▪︎ Associated Press: AP updates newsroom standards for artificial intelligence
▪︎ Reuters Institute for the Study of Journalism: AI adoption by UK journalists and their newsrooms
▪︎ Reuters Institute for the Study of Journalism: Digital News Report 2025