Kann KI Anwälte ersetzen?

KI kann Anwälte bei vielen Aufgaben unterstützen, sie nach heutigem Stand aber nicht vollständig ersetzen. Besonders geeignet ist sie für Arbeiten, bei denen große Textmengen ausgewertet oder standardisierte Inhalte erstellt werden. Dazu gehören etwa Dokumentenanalyse, Recherche, Zusammenfassungen, Übersetzungen oder erste Entwürfe. Solche Werkzeuge können juristische Arbeit beschleunigen und Routineaufgaben teilweise automatisieren.

Die entscheidende Grenze liegt bei Verantwortung und Kontrolle. KI-Systeme können falsche Informationen erzeugen, Zusammenhänge falsch bewerten oder wichtige Besonderheiten eines Falls übersehen. Die Bundesrechtsanwaltskammer betont deshalb, dass KI anwaltliche Tätigkeit unterstützen, aber nicht ersetzen soll. Ergebnisse müssen eigenverantwortlich überprüft werden. Hinzu kommen Pflichten wie Verschwiegenheit, Datenschutz und die unabhängige Beratung des Mandanten.

Ähnlich sieht es die American Bar Association: Auch beim Einsatz generativer KI bleiben Anwälte für Kompetenz, Vertraulichkeit, Kommunikation und die Qualität ihrer Arbeit verantwortlich.

Wahrscheinlicher als das Verschwinden des Berufs ist daher eine Veränderung seiner Aufgaben. Routinearbeit kann stärker automatisiert werden, während rechtliche Bewertung, Strategie, Verantwortung und der persönliche Umgang mit Mandanten beim Menschen bleiben. Anwälte dürften also weniger durch KI ersetzt werden als durch Kollegen, die sie sinnvoll einsetzen.


Quellen:
▪︎ Bundesrechtsanwaltskammer: Künstliche Intelligenz in Anwaltskanzleien, 9. Januar 2025
▪︎ American Bar Association: Formal Opinion 512 – Generative Artificial Intelligence Tools, 29. Juli 2024
▪︎ Thomson Reuters: Future of Professionals Report 2026 – Legal, 2026