Jugendliche verbieten ist einfacher

Die sozialen Netzwerke sind ein Problem. Das weiß inzwischen jeder. Besonders gefährlich sind sie für Jugendliche. Deshalb liegt eine Lösung nahe: Man verbietet den Jugendlichen den Zugang und lässt die Plattformen weitermachen. Das ist übersichtlich, politisch gut vermittelbar und erspart zunächst die unangenehme Auseinandersetzung mit milliardenschweren Technologieunternehmen.

Auf den Medientagen München diskutierten am 22. Oktober 2026 die Medizinethikerin Alena Buyx und der Journalist und Content Creator Fabian Grischkat über Altersbeschränkungen für soziale Netzwerke. Buyx verwies auf Untersuchungen, nach denen elf Prozent der deutschen Jugendlichen ein suchtartiges Nutzungsverhalten zeigen. Eine weitere Untersuchung beziffert den Anteil riskanter Nutzung auf 20 Prozent. Zahlen, die man nicht einfach mit dem Hinweis auf digitale Freiheit beiseiteschieben sollte.

Grischkat erinnerte allerdings daran, dass soziale Netzwerke längst mehr sind als digitale Spielplätze. Jugendliche informieren sich dort, organisieren sich, diskutieren politische Fragen und finden Gemeinschaften, die ihnen außerhalb des Internets möglicherweise fehlen. Ein pauschales Verbot würde auch diejenigen treffen, die diese Möglichkeiten verantwortungsvoll nutzen.

Bemerkenswert war, dass sich beide im Verlauf der Diskussion annäherten. Statt auf radikalen Positionen zu beharren, rückten sie die Verantwortung der Plattformunternehmen stärker in den Mittelpunkt. Gefordert wurden unter anderem transparentere Algorithmen, strengere Kontrollen gefährlicher Inhalte, datenschutzfreundliche Altersprüfungen und bessere Medienbildung.

Damit landet die Debatte endlich dort, wo sie eigentlich hingehört. Bei den Geschäftsmodellen der Plattformen. Unternehmen verdienen Geld damit, Aufmerksamkeit möglichst lange festzuhalten. Empfehlungsalgorithmen sollen Nutzer zum nächsten Video führen, nicht unbedingt zum nächsten vernünftigen Gedanken. Dass solche Mechanismen bei Jugendlichen besondere Risiken verursachen können, überrascht eigentlich nur Menschen, die das Internet ausschließlich aus Pressemitteilungen kennen.

Natürlich könnten strengere Altersgrenzen auch Influencer treffen, deren Geschäftsmodell auf einem jungen Publikum beruht. Weniger minderjährige Nutzer bedeuten möglicherweise weniger Reichweite und damit weniger Einnahmen. Auch das gehört zur wirtschaftlichen Wahrheit dieser Diskussion.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Jugendliche uneingeschränkt Zugang zu jeder Plattform haben sollten. Sie lautet, weshalb der Schutz Minderjähriger vor allem durch deren Ausschluss erreicht werden soll, während die problematischen Mechanismen weitgehend bestehen bleiben.

Man könnte schließlich auch versuchen, die Plattformen weniger schädlich zu machen. Das wäre allerdings deutlich aufwendiger, als Jugendlichen einfach den Zugang zu verbieten.


Quellen:
▪︎ DWDL.de, Social-Media-Verbot? Ich bin von dieser radikalen Position abgerückt, 22. Oktober 2026
▪︎ MEDIENTAGE München, Programm der 40. Medientage, 2026