Das ist aber jetzt doch lästig

Alternative Medien sind angenehm, solange sie alternativ genug sind, um die richtigen Leute anzugreifen.

Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt sorgte ausgerechnet ein parteinaher Streamer für Ärger in den eigenen Reihen. Der unter dem Namen „Aktivist Mann“ auftretende Mann war bei der Wahlparty in Magdeburg akkreditiert und soll dort Journalisten aggressiv verbal angegangen sowie versucht haben, Hintergrundgespräche mitzuschneiden. Anschließend distanzierten sich Alice Weidel und Tino Chrupalla öffentlich von seinem Verhalten. Parteiintern soll der Vorgang beraten werden.

Das ist bemerkenswert, weil die AfD seit Jahren von einer eigenen digitalen Öffentlichkeit profitiert. Livestreams, alternative Portale und parteinahe Kanäle umgehen klassische journalistische Vermittlung und liefern die gewünschte Gegenperspektive oft gleich fertig mit. Das funktioniert hervorragend, solange die Gegenöffentlichkeit zuverlässig gegen die anderen gerichtet bleibt.

Unangenehm wird es, wenn sie plötzlich im eigenen Saal steht.

Auch aus der Partei selbst kam deshalb deutliche Kritik. Die Vorsitzenden erklärten, verbale Angriffe und Belästigungen von Medienvertretern seien nicht akzeptabel. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte schilderte den Streamer ebenfalls als störend und unangemessen.

Damit bekommt der Fall eine hübsche zweite Ebene. Wer professionelle Medien über Jahre als Teil eines feindlichen Systems behandelt und parallel eigene mediale Milieus aufbaut, darf sich irgendwann nicht allzu überrascht zeigen, wenn dort Akteure entstehen, die von professioneller Distanz wenig halten.

Natürlich ist eine Partei nicht für jeden Streamer verantwortlich, der ihr politisch nahesteht. Aber sie kann sich auch nicht beliebig von einer Öffentlichkeit distanzieren, deren Entstehung ihr lange genutzt hat.

Die Frage ist deshalb nicht nur, ob ein einzelner Aktivist Grenzen überschritten hat.

Interessanter ist, was passiert, wenn die selbst geschaffene Gegenöffentlichkeit plötzlich keine Rücksicht mehr darauf nimmt, wer gerade auf der richtigen Seite steht.

Alternative Medien sind eben nur dann besonders praktisch, solange die anderen belästigt werden.


Quellen:
▪︎ Berichterstattung zur AfD-Wahlparty in Magdeburg und zum Auftreten des Streamers „Aktivist Mann“
▪︎ Öffentliche Stellungnahmen von Alice Weidel und Tino Chrupalla
▪︎ Öffentliche Äußerungen des AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Nolte