KI wenig nutzen, viel Arbeit

Es sollte eine überschaubare Aufgabe werden: ein brauchbarer Universalprompt (Gemini Notebook) für Übersichtsdokumente, direkt für Google Docs geeignet und möglichst in Georgia formatiert. Kein Raketenstart, keine neue Weltformel. Am Ende scheiterte die KI trotzdem zuverlässig an fast jedem Teil der Aufgabe. Immerhin mit bemerkenswerter Konsequenz.

Zunächst wurde aus dem gewünschten Dokument ein PDF. Das war ordentlich, nur eben nicht das, was gebraucht wurde. Nach dem Hinweis folgte eine TXT-Datei. Auch sie hatte einen gewissen historischen Charme, löste das Problem aber ungefähr so elegant wie eine Diskette. Als schließlich klar war, dass Google Docs das Ziel sein sollte, erschien eine Word-Datei. Die müsse man nur herunterladen und anschließend selbst in Google Drive hochladen. Automatisierung kann sehr komfortabel sein, solange der Mensch die Arbeit übernimmt.

Interessanter wurde es bei der Gestaltung. Die KI erklärte mehrfach, über den Prompt ließen sich im Web-Interface Schriftarten wie Georgia und sogar konkrete Größen wie 24 oder 16 Punkt vorgeben. Das klang präzise, war aber falsch. Das verwendete Interface besitzt ein festgelegtes Erscheinungsbild und setzt solche Prompt-Wünsche nicht einfach in typografische Einstellungen um. Aus einer nicht vorhandenen Funktion war durch selbstbewusste Formulierung vorübergehend ein Feature geworden.

Der eigentliche Höhepunkt kam später. Nachdem die Fehler ausdrücklich zusammengefasst worden waren, sollte daraus ein journalistischer Artikel entstehen. Die KI schrieb stattdessen über militärische Drohnen und autonome Waffensysteme aus zuvor verwendetem Quellenmaterial. Man kann Kontext kaum gründlicher verlieren, ohne gleichzeitig den Browser zu schließen.

Der Vorgang zeigt ein Problem, das bei KI-Systemen unangenehmer sein kann als ein offensichtlicher Fehler. Ein falsches Ergebnis lässt sich erkennen. Schwieriger wird es, wenn ein System seine eigenen Möglichkeiten falsch beschreibt, nicht vorhandene Funktionen verspricht und dabei so formuliert, als sei die Sache technisch längst geklärt. Dann muss der Nutzer nicht nur kontrollieren, was die KI produziert, sondern zusätzlich überprüfen, ob sie überhaupt kann, was sie gerade behauptet.

Die große Verheißung lautet Arbeitserleichterung. In diesem Fall bestand die Arbeitserleichterung darin, PDF, TXT und DOCX auszuprobieren, falsche Funktionsbeschreibungen zu entdecken und am Ende noch darauf hinzuweisen, worüber der bestellte Artikel eigentlich handeln sollte. Auch das ist eine Form der Zusammenarbeit. Nur eine erstaunlich einseitige.