Bei Disney gehört die Verwandlung zum Geschäftsmodell. Neuerdings funktioniert sie auch in der Personalabteilung. Aus mehreren hundert Arbeitsplätzen werden Einsparungen, aus Entlassungen wird eine strategische Neuausrichtung und aus weniger Beschäftigten entsteht angeblich mehr Raum für Wachstum. Die Magie moderner Unternehmensführung benötigt offenbar keinen Zauberstab mehr. Eine Tabellenkalkulation genügt.
Der Unterhaltungskonzern streicht erneut mehrere hundert Stellen. Nach übereinstimmenden Medienberichten sind vor allem die Personalabteilungen und die Informationstechnologie betroffen. Es handelt sich bereits um die dritte Entlassungsrunde unter Konzernchef Josh D’Amaro, der sein Amt im März 2026 übernommen hat. Eine offiziell bestätigte genaue Zahl liegt bislang nicht vor.
Die Entwicklung hat Vorgeschichte. Bereits im April strich Disney ungefähr 1.000 Arbeitsplätze in unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Im Jahr 2023 waren unter dem damaligen Konzernchef Bob Iger sogar 7.000 Stellen weggefallen. Damals sollten die Maßnahmen zu Einsparungen von insgesamt 5,5 Milliarden Dollar beitragen.
Parallel dazu entdeckt Disney die Vorzüge neuer Technologien. Am 18. September kündigte das Unternehmen die Ernennung von Karandeep Anand zum ersten konzernweiten Technologiechef an. Der bisherige Chef des KI-Unternehmens Character.AI soll Anfang Oktober seine Arbeit aufnehmen und unter anderem die technologische Infrastruktur sowie die KI-Strategie vorantreiben.
Natürlich wäre es voreilig, die aktuellen Entlassungen unmittelbar der künstlichen Intelligenz zuzuschreiben. Disney hat eine solche Verbindung nicht nachgewiesen. Steigender Wettbewerbsdruck im Streaminggeschäft, veränderte Zuschauergewohnheiten und allgemeine Kostensenkungen spielen ebenfalls eine Rolle. Die Ursachen sind komplexer als die beliebte Vorstellung, ein Chatbot habe einfach mehrere hundert Angestellte ersetzt.
Bemerkenswert bleibt dennoch die Gleichzeitigkeit. Während in Personalwesen und Technologie Stellen verschwinden, entstehen neue Führungsstrukturen für die technologische Zukunft. Das Unternehmen spart bei bestehenden Arbeitsplätzen und investiert gleichzeitig in seine digitale Entwicklung. Aus wirtschaftlicher Sicht lässt sich das durchaus erklären. Für die betroffenen Beschäftigten dürfte diese Erklärung allerdings nur begrenzten Unterhaltungswert besitzen.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Unternehmen neue Technologien einsetzen sollten. Interessanter ist, wer von den angekündigten Produktivitätsgewinnen tatsächlich profitiert und wer zunächst seinen Arbeitsplatz verliert.
Disney befindet sich im Wandel. In den Vorstandspräsentationen entstehen neue Möglichkeiten, effizientere Strukturen und glänzende Zukunftsaussichten. In der Personalabteilung werden währenddessen die entsprechenden Kündigungsschreiben vorbereitet.
Transformation klingt eben deutlich angenehmer, solange sie nicht auf der eigenen Gehaltsabrechnung erscheint.
Quellen:
▪︎ Reuters, 29. September 2026
▪︎ Variety, 30. September 2026
▪︎ The Walt Disney Company, Pressemitteilung vom 18. September 2026