Lange galt künstliche Intelligenz als Problem für die einfachen Jobs. Jetzt schaut sie eine Etage höher.
Volkswagen, Deutsche Bahn, BMW und Bayer bauen Managementpositionen ab, reduzieren Führungsebenen und versuchen, Hierarchien zu verschlanken. Besonders kräftig fällt der Umbau bei Volkswagen aus. Dort sollen bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 5.500 Führungsstellen verschwinden. Das liegt nicht daran, dass irgendwo ein Chatbot zum Personalchef ernannt wurde. Kostendruck, Umstrukturierungen und der Wunsch nach weniger Hierarchie waren schon vorher da. KI macht die Sache nur unangenehm zeitgemäß.
Denn erstaunlich viele klassische Managementaufgaben bestehen aus Dingen, die Maschinen inzwischen zumindest teilweise übernehmen können: Informationen sammeln, zusammenfassen, verteilen, Termine koordinieren, Kennzahlen überwachen, Berichte vorbereiten, Entscheidungen vorstrukturieren. Wer bisher hauptsächlich dafür bezahlt wurde, Wissen von unten nach oben und Anweisungen von oben nach unten zu transportieren, bekommt plötzlich Konkurrenz von Software, die keine Karriereplanung kennt.
Das bedeutet nicht, dass Führung verschwindet. Experten warnen ausdrücklich davor, aus dem aktuellen Stellenabbau eine allgemeine KI-Krise des Managements zu machen. Die Entwicklung begann lange vor dem heutigen KI-Boom. Gleichzeitig verändert die Technik aber sehr wohl, wofür Führungskräfte künftig gebraucht werden.
Entscheidungen verantworten. Konflikte lösen. Veränderungen durchsetzen. Menschen führen. Und ausgerechnet beurteilen, wann die KI Unsinn produziert.
Das ist vermutlich die unangenehmere Nachricht. Denn unter Druck gerät nicht unbedingt der Manager, der tatsächlich führt. Unter Druck gerät eher jener Teil des Managements, der vor allem aus Weiterreichen, Verdichten und Kontrollieren besteht.
Jahrzehntelang wurde Mitarbeitern erklärt, Routine müsse automatisiert werden, damit mehr Zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben bleibe.
Nun erreicht diese Idee offenbar die Chefetage. Und plötzlich klingt Effizienz ein wenig persönlicher.
Quellen:
▪︎ Handelsblatt: Berichterstattung zum Abbau von mehr als 5.500 Führungsstellen bei Volkswagen
▪︎ Berichterstattung zu Managementabbau und flacheren Hierarchien bei Deutsche Bahn, BMW und Bayer
▪︎ Experteneinschätzungen zum Einfluss künstlicher Intelligenz auf Managementaufgaben und Führungsrollen