Benutzt und entwertet

Es gibt offenbar eine neue Möglichkeit, die eigene berufliche Leistung zu entwerten.: Man erzählt einfach, dass KI daran beteiligt war. Schon verwandelt sich ein gutes Ergebnis erstaunlich schnell von kompetenter Arbeit in eine Art technisch unterstützten Schummelversuch.

Forscher der Duke University haben diesen Effekt inzwischen ziemlich deutlich gemessen. In vier Experimenten mit insgesamt 4.439 Teilnehmern wurden Menschen, die bei ihrer Arbeit KI nutzten, unter anderem als weniger kompetent und weniger motiviert eingeschätzt. Teilweise wirkte sich das sogar darauf aus, wie geeignet sie für einen Arbeitsplatz erschienen.

Die KI kann also die Arbeit verbessern. Das geht natürlich nicht. Fortschritt muss auch irgendwo seine Grenzen haben.

Noch schöner wird es beim Schreiben. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung mit 27.491 Teilnehmern zeigte über 16 Experimente hinweg einen ziemlich hartnäckigen Effekt: Texte wurden schlechter bewertet, sobald die Versuchspersonen glaubten, dass KI daran beteiligt gewesen sei. Derselbe Text bekommt also nicht unbedingt eine andere Qualität, aber vorsichtshalber eine schlechtere Note. Als wichtiger Grund erwies sich die vermeintlich geringere Authentizität.

Dass Beschäftigte darauf reagieren, überrascht wenig. Eine Untersuchung unter 635 Beschäftigten aus dem Marketing beschreibt inzwischen sogar „AI disclosure silence“: Menschen verschweigen ihre KI-Nutzung. Besonders wichtig waren dabei die Angst vor negativer Bewertung, Sorgen um die eigene Kreativität und mangelnde psychologische Sicherheit. Wir schaffen also gerade Arbeitsplätze, an denen KI eingesetzt werden soll, während ihre Benutzung besser nicht zu deutlich auffallen darf.

Natürlich ist nicht jede Kritik daran Unsinn. Wer einen Auftrag vollständig an eine Maschine abgibt und das Ergebnis weder versteht noch prüfen kann, hat tatsächlich etwas anderes geleistet als jemand, der KI bewusst als Werkzeug benutzt. Nur ist das bei Excel, Suchmaschinen oder Rechtschreibprogrammen erstaunlicherweise längst verstanden.

Die interessante Frage lautet deshalb nicht, ob jemand KI verwendet hat. Sondern ob er noch beurteilen kann, was dabei herauskommt.

Vielleicht sollten wir Kompetenz künftig wieder daran messen, was jemand versteht, entscheidet und verantwortet, und nicht daran, wie archaisch seine Werkzeuge sind. Sonst erklären wir am Ende ausgerechnet denjenigen zum besonders leistungsstarken Mitarbeiter, der für dieselbe Arbeit am längsten braucht.


Quellen:
▪︎ Jessica A. Reif, Richard P. Larrick, Jack B. Soll: „Evidence of a social evaluation penalty for using AI“, Proceedings of the National Academy of Sciences, 2025.
▪︎ Manav Raj, Justin M. Berg, Rob Seamans: „The artificial intelligence disclosure penalty: Humans persistently devalue AI-generated creative writing“, Journal of Experimental Psychology: General, 2026.
▪︎ Filiz Mizrak, Turhan Karakaya: „Why Hide AI Use? Psychological Configurations and Explainable Machine Learning Evidence from Marketing Work“, Behavioral Sciences, 2026.