Die Zulassungsstelle ist fast online

Deutschland hat die Kfz-Zulassung digitalisiert. Das bedeutet: Man kann sein Auto online anmelden, solange die zuständige Behörde technisch in der Lage ist, die Online-Anmeldung anzunehmen. Verwaltung kann so einfach sein.

Seit September 2023 soll i-Kfz die Zulassung, Ummeldung und Abmeldung von Fahrzeugen vollständig über das Internet ermöglichen. Das zuständige Bundesministerium versprach weniger Wartezeit, geringere Gebühren und vor allem den entfallenden Weg zur Behörde. Die Bundesländer und Kommunen mussten dafür allerdings ihre eigenen Portale bereitstellen. Damit war früh geklärt, wie man eine bundesweit einheitliche Verwaltungsleistung am besten digitalisiert: möglichst uneinheitlich.

Eine ARD-Recherche zeigte im August 2024, wie gut dieses Prinzip funktioniert. In 50 Landkreisen und kreisfreien Städten war i-Kfz demnach nicht nutzbar. Betroffen waren unter anderem Bremen, Gelsenkirchen, Lübeck, Magdeburg und Rostock. Besonders hübsch wird Digitalisierung dann für Unternehmen mit größeren Fahrzeugflotten. Eine Spedition aus Schleswig-Holstein berichtete, weiterhin einen Zulassungsdienst beschäftigen zu müssen, der Unterlagen zur Behörde bringt und wieder abholt. Bis zu fünf Tage dauerte das Verfahren. Beim Umzug des Unternehmens kostete allein die Ummeldung der Fahrzeuge rund 10.000 Euro.

Das Problem ist weniger überraschend als das Ergebnis konsequent. Statt eine zentrale Lösung für eine bundesweit weitgehend identische Aufgabe bereitzustellen, müssen die einzelnen Zulassungsstellen ihre Systeme selbst betreiben. Schon zuvor hatten Verwaltungsforscher bei i-Kfz miserable Nutzungszahlen, zusätzliche manuelle Arbeitsschritte und technische Hürden festgestellt. Teilweise erzeugte das digitale Verfahren also neue analoge Arbeit. Auch das muss man erst einmal schaffen.

Natürlich kann man das Föderalismus nennen, kommunale Selbstverwaltung oder komplexe Zuständigkeiten. Für jemanden, der lediglich ein Auto zulassen möchte, heißt es etwas einfacher: Es funktioniert hier, dort vielleicht und anderswo gerade nicht.

So wird aus Digitalisierung keine Vereinfachung des alten Verfahrens, sondern eine zusätzliche Etage darüber. Unten steht weiterhin der Schalter. Oben hängt jetzt ein Onlineformular. Und im ungünstigsten Fall darf man nach dem Ausfüllen trotzdem hinfahren.


Quellen:
▪︎ ARD/tagesschau.de: Deutsche Behörden verzetteln sich bei Digitalisierung, 10.08.2024
▪︎ Bundesministerium für Verkehr: Internetbasierte Fahrzeugzulassung i-Kfz
▪︎ ARD/tagesschau.de: Komplizierter als jeder Behördengang, 11.02.2024