Einwanderungsbehörde mit Roboterhunden

Die amerikanische Einwanderungsbehörde ICE setzt bei der Sicherheit künftig auch auf vier Beine. Allerdings nicht auf Schäferhunde, sondern auf Roboter. Für rund 1,3 Millionen Dollar hat die Behörde im September 2026 beim Unternehmen RADeCO robotische Vierbeiner samt Zubehör bestellt. Die Maschinen sollen gefährliche Stoffe aufspüren, schwer zugängliche Bereiche untersuchen und Beamte vor Risiken schützen. Der technische Fortschritt hat damit einen weiteren Arbeitsplatz gefunden. Diesmal bei einer Behörde, deren Geschäft ohnehin darin besteht, Menschen aufzuspüren.

Die Roboter basieren auf der Spot-Technologie von Boston Dynamics und werden mit Sensoren zur Erkennung chemischer, biologischer und radioaktiver Gefahren sowie möglicher Explosivstoffe ausgestattet. Auch ferngesteuerte Beobachtungen und Inspektionen gehören zum vorgesehenen Einsatzspektrum. Nach Angaben des Herstellers sollen die Geräte bei Ermittlungen gegen grenzüberschreitende Kriminalität eingesetzt werden, nicht bei Festnahmen oder Abschiebungen von Einwanderern. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Schließlich macht es einen erheblichen Unterschied, ob eine Maschine nach giftigen Gasen sucht oder Menschen kontrolliert.

Boston Dynamics betont ausdrücklich, dass seine Roboter weder bewaffnet noch zur Einschüchterung oder rechtswidrigen Überwachung eingesetzt werden dürfen. Verstöße können zum Entzug von Softwareunterstützung und Wartungsleistungen führen. Eine bemerkenswerte Konstruktion. Während staatliche Behörden über erhebliche Eingriffsbefugnisse verfügen, soll ausgerechnet der Hersteller mit seinen Geschäftsbedingungen zusätzliche ethische Grenzen ziehen.

Natürlich spricht einiges für solche Maschinen. Niemand muss einen Menschen in ein möglicherweise verseuchtes Gebäude schicken, wenn ein Roboter dort gefahrlos Messungen durchführen kann. Problematisch wird es, wenn aus technischer Gefahrenabwehr schleichend ein Instrument umfassender Kontrolle entsteht. Eine Kamera bleibt eine Kamera, auch wenn sie auf vier Beinen durch die Gegend läuft. Entscheidend ist nicht allein, was sie technisch kann, sondern wer ihre Aufzeichnungen erhält, wie lange Daten gespeichert werden und zu welchen Zwecken sie später verwendet werden dürfen.

Bislang gibt es keinen belastbaren Beleg dafür, dass ICE diese Roboter für rechtswidrige Massenüberwachung einsetzen will. Gerade deshalb sollte die öffentliche Kontrolle beginnen, bevor sich solche Praktiken überhaupt etablieren können. Sicherheitsversprechen ersetzen weder klare Einsatzgrenzen noch demokratische Rechenschaft.

Die Maschine soll Gefahren erkennen. Die eigentliche Gefahr wäre, wenn irgendwann niemand mehr genau hinsieht, was sie sonst noch erkennt.


Quellen:
▪︎ Federal Compass: US-Bundesauftrag 70CMSW26P00000067 an RADeCO, 25. September 2026
▪︎ Boston.com: ICE settles contract to buy Boston Dynamics robots for $1.3 million, 30. September 2026
▪︎ Boston Dynamics: Ethics, Unternehmensgrundsätze zum verantwortlichen Robotereinsatz
▪︎ Boston Dynamics: Frequently Asked Questions, Einsatz bei Sicherheitsbehörden und Einschränkungen der Überwachung