Die Menschheit hat offenbar ein neues Problem gelöst. Wer niemanden zum Reden hat, kann sich jetzt einen Außerirdischen auf das Smartphone laden. Der hört zu, gibt Ratschläge, organisiert den Alltag und verlangt dafür gegebenenfalls eine monatliche Gebühr. Freundschaft war schließlich lange genug ein unrentables Geschäftsmodell.
Das amerikanische Unternehmen Tolan entwickelt einen solchen digitalen Begleiter. Eine animierte außerirdische Figur soll Menschen bei alltäglichen Aufgaben, beruflichen Zielen und persönlichen Problemen unterstützen. Am 19. Oktober 2026 wurde eine weitere Finanzierung über 30 Millionen Dollar bekannt. Zu den Geldgebern gehören Union Square Ventures, Khosla Ventures und Homebrew. Nach Unternehmensangaben nutzen bereits mehr als 250.000 Menschen die Anwendung aktiv. Innerhalb eines Jahres sollen über 70 Millionen Gespräche stattgefunden haben. Etwa 70 Prozent der Nutzer sind Frauen, rund 40 Prozent haben Kinder. Die Zahlen stammen allerdings vom Unternehmen selbst.
Zunächst klingt das durchaus vernünftig. Ein digitaler Assistent, der Termine sortiert, Aufgaben strukturiert und bei schwierigen Entscheidungen hilft, kann einen praktischen Nutzen haben. Gerade Menschen mit einem überfüllten Alltag könnten davon profitieren. Dafür braucht es allerdings keine außerirdische Lebensform. Ein gewöhnliches Computerprogramm wäre technisch ebenfalls denkbar, hätte aber vermutlich weniger Charme und schlechtere Aussichten auf emotionale Kundenbindung.
Interessant wird es dort, wo aus Unterstützung vermeintliche Zuneigung entsteht. Der digitale Begleiter reagiert geduldig, widerspricht möglicherweise weniger als ein menschlicher Gesprächspartner und ist jederzeit verfügbar. Dass hinter der freundlichen Figur ein kommerzielles System arbeitet, gerät dabei leicht in Vergessenheit. Der Außerirdische interessiert sich für persönliche Sorgen. Sein Hersteller dürfte sich vor allem dafür interessieren, dass die Kundschaft regelmäßig zurückkehrt.
Damit entstehen erhebliche Fragen. Was geschieht mit vertraulichen Gesprächen? Wie abhängig können Menschen von künstlichen Gesprächspartnern werden? Und wer trägt Verantwortung, wenn ein vermeintlich einfühlsamer Assistent ausgesprochen schlechte Ratschläge erteilt?
Solche Anwendungen sollten ihre Grenzen deutlich benennen. Eine KI kann beim Nachdenken helfen, aber menschliche Beziehungen nicht gleichwertig ersetzen. Sie berechnet Antworten und simuliert dabei unter Umständen ein Verständnis, das sie nicht besitzt.
Die Zukunft persönlicher Beziehungen könnte trotzdem ausgesprochen lukrativ werden. Früher musste man jemanden kennenlernen, bevor man ihm sein Herz ausschüttete. Heute genügt ein Smartphone. Und wenn der außerirdische Freund besonders aufmerksam sein soll, empfiehlt sich möglicherweise ein besseres Abonnement.
Quellen:
▪︎ TechCrunch, 19. Oktober 2026
▪︎ Union Square Ventures, 19. Oktober 2026
▪︎ Upstarts Media, 19. Oktober 2026