Das Netz hängt am seidenen PHP-Faden

Die Digitalisierung funktioniert hervorragend. Jedenfalls solange niemand genauer hinschaut, worauf sie eigentlich steht. Am 21. Oktober 2026 genügten zwei Sicherheitslücken in der Programmiersprache PHP, um weltweit Behörden, Universitäten und Krankenhäuser zur vorsorglichen Abschaltung ihrer Internetangebote zu bewegen. Die digitale Zukunft machte erst einmal Feierabend.

PHP gehört zum technischen Fundament zahlloser Webseiten. Auch WordPress, mit dem Millionen Internetauftritte betrieben werden, nutzt diese Programmiersprache. Zwei kritische Schwachstellen mit einem Schweregrad von jeweils 9,2 auf einer Zehnerskala könnten Angreifern ermöglichen, fremden Programmcode auf Servern auszuführen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnte vor großflächigen Angriffen. Nachdem Informationen über die Schwachstellen vorzeitig bekannt geworden waren, wurde aus einem Sicherheitsproblem ein Wettlauf gegen die Zeit.

In Deutschland schalteten unter anderem Mainz und Halberstadt ihre Internetangebote vorsorglich ab. Auch die Berliner Charité war betroffen. Die Universität Freiburg nahm mehrere zentrale Dienste vom Netz. International reagierten Behörden und Einrichtungen ähnlich. Inzwischen haben die PHP-Entwickler Sicherheitsupdates veröffentlicht. Allerdings muss diese jemand installieren, möglichst bevor jemand anderes die Schwachstellen ausnutzt. Eine technisch durchaus anspruchsvolle Form der Terminplanung.

Bemerkenswert ist weniger, dass Software Sicherheitslücken enthält. Das ist weder neu noch überraschend. Bemerkenswert ist vielmehr, wie schnell eine Schwachstelle in einer grundlegenden Technologie öffentliche Dienstleistungen beeinträchtigen kann. Während Politik und Wirtschaft über digitale Souveränität, künstliche Intelligenz und automatisierte Verwaltungen diskutieren, genügt ein Problem im Maschinenraum, um die schöne neue Dienstleistungswelt vorübergehend stillzulegen.

Natürlich war es richtig, gefährdete Systeme vorsorglich abzuschalten. Die Alternative wäre möglicherweise erheblich teurer geworden. Trotzdem stellt sich eine unangenehme Frage: Wie widerstandsfähig ist eine Infrastruktur, wenn ihre Betreiber zwischen möglicher Übernahme durch Kriminelle und freiwilliger Abschaltung wählen müssen?

Die Abhängigkeit von weitverbreiteter Software lässt sich nicht einfach abschaffen. Sie verlangt aber konsequente Wartung, schnelle Sicherheitsupdates und tragfähige Notfallkonzepte. Wer Digitalisierung ernst nimmt, muss auch für den Tag planen, an dem die Technik nicht funktioniert.

Das Internet hat schließlich kein Problem damit, unverzichtbar zu sein. Es hat nur gelegentlich Schwierigkeiten, verfügbar zu bleiben.


Quellen:
▪︎ Tagesschau, 21. Oktober 2026
▪︎ Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, 21. Oktober 2026
▪︎ PHP Security Team, 20. und 21. Oktober 2026
▪︎ Reuters, 21. Oktober 2026
▪︎ Rechenzentrum der Universität Freiburg, 21. Oktober 2026