Berlin wollte Verwaltung digitalisieren. Nun kann man einen beträchtlichen Teil davon im Darknet herunterladen. Auch das ist eine Form von Bürgernähe.
Zwischen dem 7. und 12. August drangen Angreifer in Teile des Berliner Landesnetzes ein und kopierten nach bisherigen Erkenntnissen rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von etwa 5,8 Terabyte. Betroffen waren unter anderem die Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr. Bemerkt wurde der Angriff erst am 14. August. Die Gruppe Rhysida verlangte anschließend 30 Bitcoin, rund zwei Millionen Euro. Berlin zahlte nicht. Anfang September wurden die gestohlenen Daten veröffentlicht.
Inzwischen zeigt sich, warum das mehr ist als ein peinlicher IT-Unfall. In dem Material finden sich nach Medienauswertungen unter anderem E-Mails, Telefonnummern, Passwörter, Verträge und Ausweiskopien; betroffen sein können Beschäftigte, Unternehmen und Bürger. Für einzelne Menschen bedeutet das ganz praktisch: Kriminelle können mit echten persönlichen Angaben glaubwürdigere Phishing-Mails verschicken, sich als Behörden oder Vertragspartner ausgeben, Konten angreifen oder gestohlene Identitäten für Betrugsversuche verwenden. Eine veröffentlichte Ausweiskopie lässt sich schließlich nicht so bequem ändern wie ein Passwort.
Grünenpolitiker Konstantin von Notz spricht von einem „Daten-Super-GAU“. Das Problem beginnt allerdings nicht bei irgendeinem besonders gewitzten Hacker. Berlins IT-Sicherheit wird seit Jahren kritisiert. Berichtet wurde über fehlende Sicherheitskonzepte, ungeschulte Beschäftigte, unzureichend geschützte Infrastruktur und veraltete Technik. Vieles davon war also nicht unbekannt. Es wurde nur offenbar mit jener Beharrlichkeit verwaltet, für die Behörden sonst Formulare erfunden haben.
Nun müssen Millionen Dateien geprüft werden. Wer als Betroffener identifiziert wird, soll von den zuständigen Behörden informiert werden. Wer vorher selbst feststellt, dass seine Daten für Betrug oder Identitätsdiebstahl benutzt werden, soll Strafanzeige stellen. Der Staat verliert also möglicherweise Ihre Daten – und Sie dürfen anschließend beobachten, ob jemand damit einkaufen, Passwörter zurücksetzen oder Ihnen besonders überzeugende Betrugsmails schicken möchte.
Das Land Berlin betont, es lasse sich nicht erpressen. Stark. Für die Bürger wäre es allerdings noch überzeugender gewesen, wenn ihre Daten vorher nicht einfach hätten gestohlen werden können.
Quellen
▪︎ Der Spiegel, „Berlin-Hack: Grünenpolitiker Konstantin von Notz sieht Leaks als ‚echten Daten-Super-GAU‘“, 6. September 2026
▪︎ Tagesschau/rbb, „Welche Gefahren drohen durch die Datenveröffentlichung?“, 5. September 2026
▪︎ Senatskanzlei Berlin, Mitteilungen zum IKT-Vorfall und zur Information Betroffener, September 2026
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