Wenn Behörden gehackt werden, trifft es die Bürger

Ein Cyberangriff auf eine Behörde klingt zunächst nach einem technischen Problem. Server, Netzwerke, Passwörter. Im Fall des Berliner Landesnetzes zeigt sich ziemlich schnell, wie untechnisch die Folgen werden können. Die Gruppe Rhysida behauptet, rund 5,7 Terabyte Daten erbeutet zu haben. Nach Ablauf eines Ultimatums wurden gestohlene Daten veröffentlicht. Betroffen sein können Beschäftigte des Landes, Bürger und Unternehmen.

Damit ist ein Angriff auf eine Verwaltung eben nicht nur ein Angriff auf ihre IT. Es ist ein Angriff auf Menschen, die dieser Verwaltung ihre Daten anvertrauen müssen. Wer einen Antrag stellt, Steuern zahlt oder mit einer Behörde kommuniziert, kann schließlich schlecht darum bitten, seine Daten vorsichtshalber woanders abzugeben.

Die Täter tragen dafür die Verantwortung. Ein Opfer wird nicht dadurch mitschuldig, dass ein Täter erfolgreich war.

Aber Berlin macht es sich zu einfach, wenn danach vor allem von einem professionellen Angriff gesprochen wird. Gerade weil solche Angriffe professionell sind, muss eine Hauptstadt darauf vorbereitet sein. Wer sensible Daten von Millionen Menschen verarbeitet, kann fehlende Fachkräfte, komplizierte Zuständigkeiten und strukturelle Defizite nicht dauerhaft wie Naturkatastrophen behandeln.

Besonders unangenehm ist, dass die Berliner Verwaltung solche Defizite selbst einräumt. Das ist wenigstens ehrlich. Es ist nur keine Entlastung. Wenn eine Behörde weiß, dass ihre IT-Strukturen Schwächen haben, wird aus dem bekannten Problem irgendwann ein politisches Versäumnis.

Berlin ist dabei kein beliebiger Betrieb, der nach einem Angriff seine Kunden um Verständnis bitten kann. Bürger können den Staat nicht wechseln, weil ihnen dessen Sicherheitskonzept nicht gefällt. Der Staat verlangt Daten, speichert sie und macht ihre Herausgabe teilweise zur Pflicht. Daraus folgt auch die Pflicht, beim Schutz dieser Daten mehr zu bieten als nachträgliche Krisenkommunikation.

Vollständige Sicherheit gibt es nicht. Aber zwischen absoluter Sicherheit und erkennbarer Überforderung liegt ein ziemlich großer Bereich, den man gemeinhin Verwaltungskompetenz nennt.

Die richtige Reaktion lautet deshalb: volle Härte gegen die Täter.

Und ebenso volle politische Verantwortung für eine Verwaltung, die von ihren Bürgern digitale Pflichterfüllung erwartet, bei der eigenen digitalen Vorsorge aber selbst Nachholbedarf anmeldet.


Quellen:
▪︎ Land Berlin, Aktuelle Lage nach dem IKT-Vorfall im Landesnetz Berlin und der Veröffentlichung der gestohlenen Daten, 04.09.2026
▪︎ Land Berlin, Aktuelle Lage nach dem IKT-Vorfall im Landesnetz Berlin, 03.09.2026
▪︎ Tagesspiegel, Ein sehr professioneller Angriff: Hacker wollten Berliner Geo-Daten, 24.08.2026
▪︎ Land Berlin, Mehr Daten beim IKT-Vorfall abgeflossen, 26.08.2026