Möglich ist es, sicher ist es nicht. Technischer Fortschritt und künstliche Intelligenz können viele Aufgaben schneller erledigen. Ob die dadurch gewonnene Zeit tatsächlich zu kürzeren Arbeitstagen oder Arbeitswochen führt, ist jedoch vor allem eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidung.
Historisch ist die Arbeitszeit in vielen Industrieländern langfristig gesunken. Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahrzehnten allerdings verlangsamt. Gleichzeitig werden neue Modelle erprobt. In mehreren europäischen Ländern gibt es Versuche mit kürzeren Wochenarbeitszeiten oder Vier-Tage-Wochen. Dabei bedeutet eine Vier-Tage-Woche nicht automatisch weniger Arbeit, denn teilweise werden dieselben Stunden lediglich auf weniger Tage verteilt.
Auch höhere Produktivität führt nicht zwangsläufig zu mehr Freizeit. Unternehmen können Produktivitätsgewinne ebenso für eine höhere Produktion nutzen. Bei künstlicher Intelligenz zeigt sich bisher ein ähnliches Bild. Untersuchungen finden bei bestimmten Tätigkeiten Zeitersparnisse, doch daraus ist bislang keine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit entstanden.
Wahrscheinlich wird sich deshalb weniger die Arbeit insgesamt abschaffen als ihre Verteilung verändern. Manche Menschen könnten kürzer arbeiten, andere flexibler oder zu wechselnden Zeiten. Ob aus technischem Fortschritt tatsächlich mehr Freizeit entsteht, hängt letztlich davon ab, wie Unternehmen, Beschäftigte und Gesellschaft Produktivitätsgewinne verteilen.
Quellen:
▪︎ Internationale Arbeitsorganisation: The impact of GenAI on jobs, productivity and work organization
▪︎ Eurofound: Four days a week? Europe debates shorter working times
▪︎ OECD: Average annual hours actually worked per worker