Für die verbreitete Vermutung, dass große soziale Netzwerke heimlich dauerhaft Smartphone-Mikrofone abhören, um daraus Werbung auszuwählen, gibt es bislang keine belastbaren Belege. Meta erklärt ausdrücklich, dass Facebook und Instagram das Mikrofon nur verwenden, wenn Nutzer die Berechtigung erteilt haben und gerade eine Funktion benutzen, die Audio benötigt.
Dass Werbung trotzdem manchmal unmittelbar zu einem zuvor besprochenen Thema passt, lässt sich meist anders erklären. Werbenetzwerke verfügen über zahlreiche Signale: besuchte Webseiten, Suchanfragen, App-Nutzung, Standortinformationen, Käufe und Daten von Werbepartnern. Dazu kommen statistische Zusammenhänge zwischen Menschen mit ähnlichem Verhalten. Dadurch können Empfehlungen verblüffend passend wirken, ohne dass ein Gespräch aufgenommen wurde.
Technisch unmöglich wäre eine Nutzung des Mikrofons für Analysezwecke allerdings nicht. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC warnte bereits vor Software, die über Smartphone-Mikrofone für Menschen unhörbare Audiosignale aus Fernsehwerbung erkennen konnte. Das ist jedoch etwas anderes als das heimliche Mitschneiden normaler Gespräche.
Ein besonders aufschlussreicher Fall wurde 2026 bekannt: Firmen hatten ein angebliches Werbesystem namens „Active Listening“ vermarktet, das Gespräche von Geräten auswerten sollte. Die FTC stellte jedoch fest, dass dieses System tatsächlich gar keine Sprachdaten verwendete.
Quellen:
▪︎ Meta Privacy Center: Nutzung des Mikrofons durch Meta
▪︎ Federal Trade Commission: Warning Letters Regarding Silverpush
▪︎ Federal Trade Commission: Cox Media Group „Active Listening“