Was ist Doomscrolling?

Doomscrolling bezeichnet das fortgesetzte Lesen oder Ansehen negativer Nachrichten im Internet, obwohl die Inhalte belastend wirken und man eigentlich längst aufhören wollte. Typisch ist das endlose Weiterwischen durch Meldungen über Kriege, Krisen, Katastrophen oder politische Konflikte. Besonders soziale Netzwerke und Nachrichtenfeeds machen es leicht, von einer beunruhigenden Meldung unmittelbar zur nächsten zu gelangen.

Dahinter steckt nicht einfach nur Interesse an schlechten Nachrichten. Menschen reagieren grundsätzlich stärker auf mögliche Gefahren als auf belanglose Informationen. Hinzu kommt der Wunsch, in einer unsicheren Situation möglichst nichts Wichtiges zu verpassen. Endlose Feeds und algorithmisch ausgewählte Inhalte können dieses Verhalten zusätzlich begünstigen.

Studien bringen ausgeprägtes Doomscrolling unter anderem mit psychischer Belastung, Angst, Stress und geringerem Wohlbefinden in Verbindung. Damit ist allerdings nicht automatisch bewiesen, dass Doomscrolling diese Probleme verursacht. Ein Teil der Forschung beruht auf Befragungen und kann Ursache und Wirkung nur eingeschränkt unterscheiden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass zwar recht konsistente Zusammenhänge bestehen, für eindeutige Kausalaussagen aber noch mehr Langzeit- und Experimentalstudien nötig sind.

Problematisch wird Doomscrolling vor allem dann, wenn aus dem Wunsch nach Information eine Gewohnheit wird, die Stimmung, Schlaf, Konzentration oder Alltag beeinträchtigt.


Quellen:
▪︎ Journal of Community Psychology: Doomscrolling and mental well-being in social media users
▪︎ Computers in Human Behavior Reports: Doomscrolling evokes existential anxiety and fosters pessimism about human nature?
▪︎ Mental Health and Digital Technologies: The influence of doomscrolling on mental health: a scoping review