Die Maschine findet was

Eigentlich sollte Rentosertib nur eine schwere Lungenkrankheit behandeln. Dann sahen die Forscher auf ihre Daten und stellten fest, dass ihre Patienten offenbar nebenbei ein paar biologische Jahre verloren hatten. So kann Forschung natürlich auch laufen.

Der Wirkstoff wurde von Insilico Medicine mit Hilfe künstlicher Intelligenz entwickelt und richtet sich gegen idiopathische Lungenfibrose, eine fortschreitende Erkrankung, bei der Lungengewebe vernarbt. Rentosertib hat inzwischen eine Phase-3-Studie erreicht. Schon das wäre für einen KI-gestützt entwickelten Wirkstoff bemerkenswert genug. Doch bei einer kleineren Auswertung der vorangegangenen Studie untersuchten die Forscher zusätzlich, was sechs sogenannte Aging Clocks zu den Patienten sagten.

Diese Uhren messen keine Geburtstage, sondern versuchen anhand biologischer Merkmale zu errechnen, wie alt ein Körper tatsächlich wirkt. Bei 43 Patienten sank nach zwölf Wochen Behandlung das von allen sechs Modellen vorhergesagte biologische Alter. Die KI hatte also einen Wirkstoff gegen Lungenfibrose mitentwickelt und möglicherweise nebenbei etwas erwischt, das mit Alterungsprozessen zusammenhängt.

Damit dürfte der Weg zur ewigen Jugend ungefähr noch so weit entfernt sein wie vorher. Die Gruppe war winzig, sämtliche Teilnehmer litten an derselben schweren Erkrankung, und Aging Clocks sind wissenschaftlich selbst keineswegs unumstritten. Der Harvard-Forscher Vadim Gladyshev, der an einer dieser Uhren mitgearbeitet hat, bezeichnete die Ergebnisse zwar als bemerkenswert, verwies aber ebenfalls auf die geringe Teilnehmerzahl und die begrenzte Zuverlässigkeit solcher Messverfahren. Vor allem wurde Rentosertib bislang nicht darauf getestet, gesunde Menschen länger jung zu halten.

Eine niedrigere Zahl auf einer biologischen Altersuhr bedeutet eben noch nicht, dass jemand länger lebt, gesünder bleibt oder morgens plötzlich wieder freiwillig aufsteht.

Interessant bleibt die Sache trotzdem. Die KI sollte bei der Suche nach einem Medikament gegen eine Lungenkrankheit helfen. Nun steht plötzlich das Altern mit im Labor.

Vielleicht ist das die passendste Form moderner Forschung: Die Maschine findet etwas, und anschließend dürfen die Menschen jahrelang klären, was genau sie da eigentlich gefunden hat.

Quellen:
▪︎ Nature Biotechnology / Berichterstattung über die Rentosertib-Auswertung, September 2026
▪︎ Insilico Medicine: Phase-III-Studie zu Rentosertib, 7. Juli 2026
▪︎ The Indian Express: Early data indicates an AI-generated drug could slow aging, 8. September 2026