Das Rezept für 820 Kilo Haschisch

Es gibt Influencer, die verkaufen Proteinpulver, Kosmetik oder den Eindruck, ihr Leben bestehe hauptsächlich aus Sonnenuntergängen. Georges Dib verkaufte Süßigkeiten. Die libanesische Justiz wirft ihm allerdings vor, dass seine Produkte gelegentlich über eine bemerkenswert reichhaltige Zutatenliste verfügten.

Dib, auf TikTok als „Dr Food“ bekannt und dort von mehr als acht Millionen Menschen verfolgt, wurde am 23. August im Norden des Libanon festgenommen. Gegen ihn lagen Haftbefehle wegen Herstellung, Handel und Schmuggel von Drogen vor. Bereits im Juli war er in Abwesenheit zu lebenslanger Haft mit Zwangsarbeit verurteilt worden. Ausgangspunkt des Verfahrens war unter anderem ein Fund aus dem Jahr 2024: 820 Kilogramm Haschisch, versteckt in Kuchenverpackungen und offenbar für den Export bestimmt.

Das ist für einen Food-Influencer immerhin eine konsequente Verbindung von Marke und Geschäftsmodell. Nur vermutlich nicht die, welche seine Follower beim Anschauen von Produktionsvideos erwartet hatten.

Während die Ermittler nach ihm suchten, veröffentlichte Dib weiter Inhalte. Er zeigte Lebensmittel, Geschäftserfolge und zeitweise auch wohltätiges Engagement. Den Vorwurf gegen ihn wies er zurück und erklärte öffentlich seine Unschuld. Nach Angaben der libanesischen Sicherheitskräfte wechselte er Fahrzeuge und Telefonnummern und verließ Aufenthaltsorte nach seinen Aufnahmen wieder. Einen Monat lang wurde er observiert, bevor die Polizei zugriff.

Damit bekommt die übliche Influencer-Diskussion über Schein und Wirklichkeit eine etwas robustere Dimension. Normalerweise geht es um gemietete Sportwagen, geschönte Körper oder Hotels, die für drei Fotos wie Privatvillen aussehen. Bei Dr Food steht nun der Verdacht im Raum, dass hinter der sorgfältig gepflegten Lebensmittelwelt ein internationales Drogengeschäft lief.

Besonders hübsch ist die Pointe, dass ausgerechnet die permanente Sichtbarkeit geholfen haben soll, ihn aufzuspüren. Wer sein Leben zum Geschäftsmodell macht, produziert eben nicht nur Reichweite, sondern gelegentlich auch Bewegungsdaten für Ermittler.

Der Algorithmus kennt halt keine Fluchthilfe. Er möchte nur regelmäßig neuen Content.


Quellen:
▪︎ The Guardian: „Drugs in pastries, months on the run: the double-life of Lebanese influencer Dr Food“
▪︎ L’Orient Today: „‘Dr Food’ sentenced in absentia to life in prison in drug case“
▪︎ The National: „Lebanese influencer ‚Dr Food‘ arrested in drugs case“