Mehr als 100 Millionen Euro für neue Verwaltungssoftware auszugeben, ist eine Leistung. Danach Rechnungen nicht mehr zuverlässig bezahlen zu können, bereits Konzeptkunst. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit hat damit gezeigt, was Digitalisierung im öffentlichen Umfeld leisten kann, wenn Geld, Berater und Wirklichkeit nur entschlossen genug voneinander getrennt werden. Rund 40 Millionen Euro sollen allein an externe Beratung gegangen sein. Das Ergebnis war offenbar so zukunftsweisend, dass zeitweise sogar DHL der GIZ-Zentrale den Expressversand strich, weil offene Forderungen nicht beglichen worden waren.
Zum Jahreswechsel 2025/26 führte die bundeseigene GIZ weltweit SAP S/4HANA ein. Das Projekt war keineswegs spontan vom Himmel gefallen. Schon Jahre zuvor wurde daran gearbeitet, Geschäftsprozesse zu standardisieren und die bisherige SAP-Landschaft abzulösen. Noch 2024 erklärte die GIZ, das neue System sei weitgehend programmiert und die Vorbereitungen auf den weltweiten Start liefen auf Hochtouren.
Hochtouren sind allerdings kein Synonym für funktionieren.
Nach Recherchen des WDR kostete die Einführung insgesamt mehr als 100 Millionen Euro. Nach dem Start häuften sich Probleme bei Zahlungsabläufen und offenen Rechnungen. Die Lage war zeitweise so bemerkenswert, dass DHL den Expressversand für die GIZ-Zentrale einstellte, nachdem Forderungen nicht bezahlt worden waren.
Das ist für ein großes IT-Projekt natürlich nur eine kleine Episode. Aber gerade deshalb ist sie so schön. Man kann über Prozessarchitekturen, Systemmigrationen und globale Transformation reden. Am Ende steht ein Paketbote vor der Tür und sagt sinngemäß: Erst bezahlen.
Dass eine Umstellung dieser Größenordnung kompliziert ist, versteht sich. Die GIZ arbeitet mit fast 24.000 Beschäftigten in mehr als 100 Ländern und bewegt jährlich Milliardenbeträge. Gerade deshalb durfte man allerdings erwarten, dass bei einem Projekt dieser Größenordnung elementare Abläufe zu den Dingen gehören, die vor dem Start besonders gründlich getestet werden.
Der eigentliche Skandal ist deshalb weniger, dass Software Probleme macht. Software macht Probleme. Interessanter ist die Kombination aus dreistelligem Millionenbetrag, 40 Millionen Euro Beratung und anschließend gestörten Grundfunktionen.
Digitalisierung soll Abläufe einfacher machen. Hier hat sie vor allem bewiesen, dass man für sehr viel Geld auch sehr viel komplizierter scheitern kann.
Quellen:
▪︎ WDR/Tagesschau: Berichterstattung zu den Problemen bei der SAP-Einführung der GIZ
▪︎ Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit: Jahresabschluss 2024, Angaben zum Projekt S4GIZ
▪︎ Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit: Informationen zur Einführung von SAP S/4HANA
▪︎ Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit: Integrierter Unternehmensbericht 2025