Rechenzentrum startet ins All

Rechenzentren haben einen kleinen Nachteil: Sie stehen auf der Erde. Dort brauchen sie Strom, Kühlung, Fläche und gelegentlich Menschen, die sich darüber beschweren. Das indische Raumfahrt-Start-up TakeMe2Space arbeitet deshalb an einer technisch konsequenten Lösung. Die Rechner kommen weg.

Heute soll der Satellit MOI-1A mit der SpaceX-Mission Transporter-18 ins All starten. TakeMe2Space bezeichnet ihn als Indiens ersten kommerziellen Satelliten für orbitales Computing. Ein Rechenzentrum ist das allerdings nur mit sehr viel Begeisterung für kleine Räume. MOI-1A ist ein CubeSat und bringt Nvidia-Orin-NX-Prozessoren mit. Seine Aufgabe besteht nicht darin, die Cloud vollständig in den Himmel zu verlegen, sondern Daten dort zu verarbeiten, wo sie entstehen.

Das ergibt durchaus Sinn. Erdbeobachtungssatelliten produzieren große Datenmengen, die normalerweise erst zu Boden übertragen und dort ausgewertet werden. MOI-1A soll stattdessen KI-Modelle direkt im Orbit ausführen. Kunden können festlegen, welche Regionen und Informationen sie interessieren. Der Satellit analysiert die Daten während des Überflugs und schickt anschließend Ergebnisse statt möglichst großer Rohdatenpakete nach unten. Das spart Übertragungsvolumen und kann die Auswertung beschleunigen.

Nach Angaben des Unternehmens haben bereits 23 Kunden Anwendungen für die Mission gebucht. Sie kommen unter anderem aus Landwirtschaft, Bergbau, Lieferkettenmanagement und Versicherungswirtschaft. TakeMe2Space hat außerdem schon mit einem früheren Demonstrationssatelliten KI-Berechnungen im Orbit erprobt. Der nächste Schritt sollen größere und miteinander vernetzte Satelliten sein.

Damit ist MOI-1A weniger das Rechenzentrum im Weltall als dessen sehr kleiner Vorbote. Interessant ist gerade das: Die Verarbeitung von Daten beginnt sich vom Boden zu lösen. Was heute ein Rechner in einem Satelliten erledigt, könnte irgendwann Teil einer größeren Infrastruktur im Orbit werden.

Die Technologiebranche hat damit für ein altes Problem eine bemerkenswert moderne Lösung gefunden. Wenn Rechenzentren auf der Erde zu viel Platz, Energie und Kühlung brauchen, muss man nicht zwingend das Rechenzentrum ändern. Man kann schließlich auch den Planeten wechseln.


Quellen:
▪︎ Reuters
▪︎ India Today
▪︎ The Next Web
▪︎ TakeMe2Space