Der humanoide Roboter hat ein neues Einsatzgebiet gefunden. Nachdem er bereits Kartons tragen, Autos montieren, tanzen und gelegentlich spektakulär umfallen durfte, ist nun auch der Laufsteg erschlossen. Bei Vogue World in Mailand spazierten vier humanoide Roboter des chinesischen Herstellers Unitree Robotics durch die Galleria Vittorio Emanuele II. Der Programmpunkt hieß passenderweise „The Age of Intelligence“. Intelligenz erkennt man schließlich zuverlässig daran, dass jemand geradeaus laufen und dabei winken kann.
Technisch war der Auftritt weniger revolutionär, als die Kulisse vermuten ließ. Humanoide Roboter können inzwischen laufen, Bewegungen ausführen und auf Bühnen erstaunlich publikumswirksam herumturnen. Weltweit wurden 2025 nach Angaben der International Federation of Robotics rund 7.000 Humanoide für industrielle und professionelle Anwendungen verkauft. Verglichen mit klassischen Industrie- und Servicerobotern ist das noch eine überschaubare Truppe. Der Roboter steht also keineswegs schon morgens neben uns an der Kaffeemaschine. Er wird nur vorsorglich dort präsentiert, wo möglichst viele Kameras stehen.
Genau deshalb ist der Mailänder Spaziergang interessanter als seine technische Leistung. Vogue erklärte selbst, die Roboter sollten den Moment symbolisieren, in dem Robotik beginnt, sichtbar in die menschliche Welt einzudringen. Sie wirkten noch unbeholfen, und genau das sei Teil der Aussage. Das ist bemerkenswert offen. Man zeigt nicht die fertige Zukunft, sondern einen etwas steifen Vorgeschmack darauf.
Humanoide werden damit zunehmend aus Laboren und Fabrikhallen in die Popkultur geschoben. Sie sollen nicht mehr nur funktionieren. Sie sollen vertraut werden. Ein Roboter neben einem Model wirkt irgendwann weniger fremd als ein Roboter hinter einem Absperrband auf einer Industriemesse. Für gesellschaftliche Akzeptanz könnte dieser Gewöhnungseffekt am Ende wichtiger sein als der nächste Rückwärtssalto.
Die eigentliche Nachricht aus Mailand lautet deshalb nicht, dass ein Roboter laufen kann. Das wussten wir bereits. Neu ist, dass er inzwischen offenbar einen Termin beim Modebetrieb bekommen hat. Die Maschine muss die Welt also gar nicht übernehmen. Es reicht zunächst, wenn sie eingeladen wird.
Quellen:
▪︎ Vogue, „The Story Behind the Runway Robots at Vogue World 2026: Milano“
▪︎ TechCrunch, „Vogue sent robots down the runway at Vogue World“
▪︎ Reuters, Daten der International Federation of Robotics zu humanoiden Robotern