Die Belegschaft bekommt Nachwuchs

Die Roboterfabrik hat ein Personalproblem auf bemerkenswert elegante Weise gelöst: Sie beschäftigt Roboter. UBTECH hat im chinesischen Liuzhou eine rund 14.000 Quadratmeter große Anlage in Betrieb genommen, die auf mehr als 10.000 humanoide Roboter pro Jahr ausgelegt ist. Im Zielbetrieb soll ungefähr alle zehn Minuten ein Gerät fertig werden. Noch interessanter ist allerdings, wer dabei mithilft. In der Fabrik übernehmen Roboter selbst Teile des Materialtransports und der Produktion. Die Personalplanung bekommt damit langsam rekursive Züge.

Gefertigt werden unter anderem Modelle der Walker-S-Reihe sowie Cruzr-Roboter. Humanoide Systeme übernehmen laut Berichten Aufgaben wie Entladen, Stapeln und Transportieren von Bauteilen. Dazu kommen kollaborative Roboterarme, fahrerlose Transportsysteme und automatisierte Arbeitsstationen. Nach der Montage sollen die fertigen Maschinen mehrere Stunden getestet und anschließend rundum kontrolliert werden. Das klingt weniger nach spektakulärer Robotershow und mehr nach etwas, das für die Branche möglicherweise wichtiger ist: industrielle Routine.

Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die beeindruckenden Zahlen. Eine Produktionskapazität von mehr als 10.000 Einheiten bedeutet nicht, dass bereits 10.000 Roboter verkauft oder überhaupt hergestellt worden sind. Auch der viel zitierte Zehn-Minuten-Takt beschreibt nach derzeitigen Angaben die Auslegung der Anlage und keinen dauerhaft nachgewiesenen Produktionsdurchsatz. Zwischen einer Fabrik, die theoretisch so schnell produzieren kann, und einem Markt, der diese Stückzahlen tatsächlich abnimmt, liegt noch ein ziemlich breiter Gang durch die Werkhalle.

Trotzdem verschiebt sich etwas. Noch vor wenigen Jahren bestand ein beträchtlicher Teil der Humanoiden-Berichterstattung daraus, Maschinen beim vorsichtigen Treppensteigen, Kistentragen oder gelegentlichen Umfallen zuzusehen. Jetzt entstehen Produktionsanlagen, die fünfstellige Jahresmengen vorbereiten. Damit wird aus der Frage, ob humanoide Roboter grundsätzlich funktionieren können, langsam die sehr viel unangenehmere Frage, wo sie wirtschaftlich funktionieren werden.

Besonders hübsch ist dabei, dass einige der ersten neuen Arbeitsplätze für Humanoide offenbar in Fabriken für Humanoide entstehen. Die Automatisierung schafft also tatsächlich Beschäftigung. Man sollte nur zunehmend genauer fragen, für wen.


Quellen:
▪︎ The Robotics Media, 19. September 2026
▪︎ Seoul Economic Daily, 16. September 2026
▪︎ Frontier Milestones, September 2026
▪︎ Roboarca, 14. September 2026