Die vielleicht wichtigste Innovation beim humanoiden Roboter besteht derzeit darin, dass er gelernt hat, Menschen nicht umzurennen. Das klingt nach einer eher überschaubaren Anforderung an die Zukunft der Arbeit. Bei einem 284 Pfund schweren Kollegen aus Metall ist sie allerdings nicht ganz unwichtig.
Agility Robotics hat mit Digit 5 die nächste Generation seines humanoiden Roboters vorgestellt. Er ist 1,81 Meter groß, kann Lasten bis 50 Pfund heben und wurde für Fabriken, Lager und Logistikzentren entwickelt. Entscheidend ist diesmal weniger, was Digit tragen kann, sondern wo er es tun soll: direkt zwischen Menschen. Bislang arbeiteten solche Systeme häufig hinter Schutzbarrieren. Digit 5 soll Personen mit mehreren Sensoren erkennen, seine Bewegung anpassen, anhalten oder bei Bedarf eine sichere Position einnehmen. Ein unabhängiger Sicherheitscontroller überwacht zusätzlich die Reaktion des Roboters.
Das ist weniger spektakulär als ein Roboter, der Saltos schlägt, könnte für die industrielle Nutzung aber erheblich wichtiger sein. Ein Humanoid, der nur innerhalb eines abgesperrten Käfigs arbeiten darf, ist schließlich vor allem eine sehr bewegliche Maschine mit eigenem Gehege. Erst wenn Mensch und Roboter tatsächlich denselben Arbeitsbereich nutzen können, wird aus der Vorführung ein brauchbares Werkzeug.
Ganz bewiesen ist das allerdings noch nicht. Digit 5 soll erst in der ersten Hälfte 2027 an erste Kunden gehen, die allgemeine Verfügbarkeit ist für Ende 2027 vorgesehen. „Cooperative Safety“ ist deshalb zunächst eine technische Konstruktion und ein Versprechen des Herstellers, kein jahrelang erprobter Zustand. Agility arbeitet zugleich an neuen Sicherheitsstandards für humanoide Roboter mit.
Immerhin kommt Digit nicht völlig aus dem Labor. Die Vorgängergeneration hat laut Agility mehr als 65.000 Betriebsstunden bei Unternehmen wie GXO, Schaeffler, Amazon und Toyota gesammelt. Für Digit 5 meldet das Unternehmen mehr als 300 Millionen Dollar an mehrjährigen Bestellungen, allerdings abhängig von vertraglich festgelegten Meilensteinen.
Der Fortschritt sieht diesmal also erstaunlich unspektakulär aus: Der Roboter bleibt stehen, wenn ein Mensch im Weg ist. Genau solche Banalitäten entscheiden am Ende darüber, ob humanoide Roboter Kollegen werden oder weiterhin sehr teure Ausstellungsstücke hinter einem Zaun bleiben.
Quellen:
▪︎ Agility Robotics
▪︎ Forbes
▪︎ Business Insider