Der Roboter kann schon vom Band laufen

Der humanoide Roboter ist jetzt offenbar serienreif. Zumindest kann er die Fabrik schon selbst verlassen. XPeng hat am 8. September seine neue Produktionslinie für den humanoiden Roboter IRON in Betrieb genommen. Das erste dort gefertigte Exemplar lief anschließend selbstständig vom Band. Mehr als 80 Prozent der zentralen Fertigungsprozesse sollen automatisiert sein, bis Ende 2026 will das Unternehmen mit der Massenproduktion beginnen. 2027 sollen Verkauf und Auslieferung in China und auf internationalen Märkten folgen.

Das sieht beeindruckend aus. Es beantwortet nur noch nicht ganz die lästige Frage, was der Roboter eigentlich den ganzen Tag machen soll.

Zunächst will XPeng IRON in eigenen Geschäften und auf Firmengeländen einsetzen. Das ist ein durchaus vernünftiger Anfang. Dort dürfte die Wirklichkeit überschaubarer sein als in einer Fabrikhalle, wo nichts steht, wo es soll, und dann auch noch Menschen einfach so umherlaufen. Für einen Roboter, der vor allem unter kontrollierten Bedingungen glänzt, ist das vermutlich der angenehmere Einstieg ins Berufsleben.

Genau dort liegt das Problem der humanoiden Robotik. Reuters berichtete Ende August aus einem chinesischen Trainingszentrum, in dem mehr als hundert Roboter einfache Tätigkeiten wie Sortieren, Verpacken oder Kaffeekochen lernen. Bei unerfahrenen Trainern entstand teilweise erst nach rund 300 Versuchen eine brauchbare Bewegung, bei erfahrenen immerhin nach etwa 50. Dazu kommen weiterhin Schwierigkeiten bei Geschicklichkeit, Anpassungsfähigkeit und selbstständigem Reagieren auf ungeplante Situationen. Der Mensch darf also vorerst weiter beruhigt zur Arbeit gehen. Zumindest so lange, bis die Konkurrenz nicht nur laufen kann, sondern auch kapiert, warum sie eigentlich auf der Welt ist.

Und dann wäre da noch die Frage, die bei Zukunftsvisionen zuverlässig etwas weniger glamourös ausfällt: Lohnt sich das eigentlich? Ein humanoider Roboter ist technisch faszinierend, weil er aussehen und sich bewegen kann wie ein Mensch. Für viele industrielle Aufgaben ist genau das allerdings eher Kür als Notwendigkeit. Ein gewöhnlicher Roboterarm muss weder laufen noch balancieren und hat den zusätzlichen Vorteil, nicht erst beweisen zu müssen, warum er Beine braucht.

XPeng hat zweifellos einen bemerkenswerten Schritt geschafft. Die Serienfertigung kann beginnen. Damit ist nun geklärt, wie man die Roboter in großer Zahl baut. Offen ist nur noch die etwas weniger technische Frage, was man mit ihnen anschließend eigentlich anfangen soll.

Quellen:
▪︎ XPENG, „XPENG IRON Humanoid Robot Now Walks Off the Production Line“, 8. September 2026
▪︎ XPENG Newsroom Deutschland, „XPENGs humanoider Roboter IRON verlässt auf eigenen Füßen seine Produktionslinie“, 8. September 2026
▪︎ Reuters, „China’s humanoid robots aren’t smart enough to take your job — yet“, 27. August 2026