Die NASA möchte wieder Menschen auf den Mond bringen. Start, Landung und Rückflug werden sorgfältig geplant. Nur für den Fall, dass unterwegs etwas gründlich schiefgeht, wird das Programm überraschend übersichtlich: Eine Rettungsmöglichkeit gibt es derzeit nicht.
Das ist keine zugespitzte Interpretation, sondern eine Feststellung des NASA Office of Inspector General. Die Behörde untersucht das Human Landing System, für das SpaceX mit einer Starship-Version und Blue Origin mit Blue Moon Mondlander entwickeln. Seit 2019 wurden dafür knapp sieben Milliarden Dollar gebunden, bis 2030 rechnet die NASA mit Ausgaben von rund 18,3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kämpfen beide Anbieter mit technischen Problemen und Verzögerungen. Nach der inzwischen geänderten Artemis-Planung soll eine bemannte Mondlandung 2028 erfolgen.
Natürlich bedeutet das nicht, dass die NASA leichtfertig Astronauten losschicken will. Sie untersucht Risiken, verlangt Sicherheitsnachweise und hat zusätzliche Tests angeordnet. Nach Angaben des Inspector General erfüllen die derzeitigen Berechnungen für Starship bei Artemis III und IV sogar die festgelegten Risikoschwellen. Nur sind Berechnungen bekanntlich besonders beruhigend, solange nichts Unberechnetes passiert.
Genau dort wird es unangenehm. Die Prüfer kritisieren Lücken bei Tests und den sogenannten Crew-Survival-Analysen. Diese betrachten bislang unter anderem einzelne Katastrophenszenarien, berücksichtigen aber nicht ausreichend, wie eine Besatzung nach einem schweren Zwischenfall mehrere Tage überleben könnte. Noch deutlicher wird der Bericht beim Rettungsfall: Fällt ein Mondlander auf der Oberfläche aus oder kann er nicht mehr an Orion beziehungsweise Gateway andocken, besitzt die NASA bei den frühen Artemis-Missionen keine Möglichkeit, die Besatzung zu bergen. Ein startbereites Ersatzraumschiff oder einen zweiten Lander vorzuhalten, wäre technisch kompliziert und sehr teuer.
Das Problem ist also nicht, dass Risiken in der Raumfahrt existieren. Das tun sie zwangsläufig. Problematisch wird es, wenn Milliarden in die Rückkehr zum Mond fließen, während für einen überlebten Unfall anschließend nur noch die Hoffnung zuständig ist.
Wer Menschen auf einen anderen Himmelskörper schickt, sollte nicht erst dort feststellen, dass Hinflug und Rettung zwei verschiedene Programme sind.
Quellen:
▪︎ NASA Office of Inspector General: „NASA’s Management of the Human Landing System Contracts“, 10. März 2026
▪︎ NASA Office of Inspector General: „Artemis Lander Program Faces Schedule Delays and Unmitigated Crew Safety Risks“, 10. März 2026
▪︎ NASA: „Human Landing Systems“