Europa will ins All. Amerika schmollt

Europa möchte unabhängiger im Weltraum werden. Die Vereinigten Staaten helfen dabei offenbar schon einmal, indem sie zu Europas großem Weltraumgipfel möglichst nicht erscheinen.

Am 9. und 10. September treffen sich in Paris auf Einladung Frankreichs knapp 120 ausländische Delegationen. Staats- und Regierungschefs, Wissenschaftler, Astronauten, Militärs und Raumfahrtunternehmen sollen über die Zukunft der Raumfahrt sprechen.

Das Weiße Haus hält davon offenbar wenig. Nach Recherchen von Reuters drängte es mehrere amerikanische Raumfahrtunternehmen dazu, dem Treffen fernzubleiben. Eine Teilnahme könne als Unterstützung europäischer Positionen verstanden werden. Ein förmliches Verbot gab es offenbar nicht. Die Botschaft war trotzdem klar genug: SpaceX, Blue Origin, Stoke Space und Starcloud sagten ihre Teilnahme ab. Auch geplante gemeinsame Ankündigungen amerikanischer und europäischer Unternehmen platzten.

Das Timing ist bemerkenswert. Europa will sich im Weltraum unabhängiger von den USA machen, eigene Startmöglichkeiten stärken und mehr Ariane-6-Raketen einsetzen. Und ausgerechnet jetzt führt Washington vor, warum das nötig sein könnte.

Natürlich steht ein handfester Konflikt dahinter. Die Trump-Regierung wirft Europa vor, amerikanische Firmen durch Regulierung und die Bevorzugung europäischer Anbieter zu benachteiligen.

Das erklärt den Streit. Ändert aber nichts an der unfreiwilligen Pointe. Denn besser hätte Washington Europas Argument für mehr Unabhängigkeit kaum bestätigen können.


Quellen:
▪︎ Reuters, 3. September 2026: White House pressures US space firms to skip Paris space summit
▪︎ Französisches Außenministerium: Der internationale Weltraumgipfel, Paris 9.–10. September 2026
▪︎ Élysée: Gemeinsame französisch-italienische Erklärung zur europäischen Raumfahrt, 25. Juni 2026
▪︎ Reuters, 7. September 2026: ArianeGroup studies increase in European space launches