Gesang aufnehmen

Georg-Schneider-Vocal-Recording

Sind die Instrumente im Kasten, geht es an den Gesang. Die beste Voraussetzung für eine gute Aufnahme, ist ein guter Sänger und eine stimmige Peripherie. Meint: Neben einem hervorragenden Musiker gibt es noch ein paar Sachen, die dem Klang gut tun …

Der Raum …
Los geht‘s mit dem Raum – wie immer. Um so weniger Raumklang, um so besser für den Mann (Frau) am Mischpult. Nicht immer, aber meistens. Deswegen wäre ein professionell gedämmter Raum die erste Wahl, Absorber eine vernünftige Alternative, der Griff nach der Wolldecke die letzte Möglichkeit.

Neumann_U89i_Kontrabass

In welchem Umfang gedämmt und wo der Sänger positioniert wird, entscheidet das Gehör. Aber erst nach der Auswahl des richtigen Mikrofons. Und auch da scheiden sich die Geister. Viele schwören auf die teuere Großmembranmikrofone und glauben, nur damit ans Ziel zu kommen. Das ist falsch und wurde schon oft widerlegt.

In Anbetracht der Tatsache, dass Bono von U2 öfter mal im Regieraum zum Shure SM58 oder SM57 greift, Gary Moore es ihm gleich getan hat und auch Herbert Grönemeyer auf „Mensch“ bei einigen Songs nur in ein dynamisches Mikrofon gebrüllt hat, liegt es nahe, dass gutes Vocal-Recording nicht nur eine Frage des Mikrofons ist. Darüber sollte man einfach mal nachdenken. Aber nicht zuviel, denn ausprobieren ist wichtiger.

Nicht dass wir uns falsch verstehen. Großmembranmikros sind eine feine Sache, doch hat Qualität in diesem Bereich ihren Preis. Und eines alleine ist nicht für alle Anwendungen (Stimmen) gut.

Das Mikrofon …
Recording-WorkshopShure_55_SH_Series_II

Geht es um Sprachaufnahmen, nehme ich meine Stimme vorzugsweise mit einem Shure SH55 auf. Beim Gesang setze ich auf das Neumann U 89 i (Großmembran) oder auch das Shure SH55 (Dynamisch). Manchmal bietet sich aber auch das Sennheiser M441(Dynamisch) an. Es kommt drauf an, denn jeder Sänger/ Sprecher braucht ein anderes Mikrofon.

Daher empfehle ich, das verfügbare Equipment an jeder Stelle im Raum auszuprobieren und nicht zwingend auf die wie Sauerbier angeproesenen Großmembraner anzuspringen. Aber was es auch immer ist … Ein Vorverstärker sollte in jedem Fall davor geschaltet werden. Gerade bei dynamischen Mikrofonen. Das steigert die Dynamik und letztlich auch die Qualität des Signals immens. Ich verwende dazu einen Bellari RP 520 Mic Preamp. Für ganz ambitionierte darf es aber auch ein Universal Audio LA-610 MkII sein. Wie immer ist nach oben alles offen.

Der Abstand …
Recording-Workshop-Abstand

Ist das passende Mikro an der richtigen Stelle im positioniert, sollte man sich die Zeit nehmen mit dem Abstand zu experimentieren. Bei der Wahl der Entfernung kommt es ganz darauf an, wie das Klangbild aussehen soll. Soll es Weite bzw. Raum haben oder nah am Ohr sein? Pi mal Daumen kann zu Anfang mit einer Hand breit Abstand angefangen werden. Geübte Sänger wissen um den Nahbesprechungseffekt oder den Vorteil einer größeren Entfernung und variieren die Zustände.

Während der Aufnahme …
Neigt der Sänger oder Sängerin zu starken Lautstärkeschwankungen ist es gut, die Aussteuerung im Auge zu behalten, eventuell einen Kompressor bzw. Limiter zu benutzen. Bei einem zu hohen Bassanteil lieber die Entfernung erhöhen. Sind starke S-Laute zu vernehmen, dann bitte seitlich am Mikrofon vorbei singen. Das vermindert das störende Zischen um einiges.

Um so besser die Stimme aufgezeichnet wird, um so weniger muss im Mix geschehen. Aber das mit der Mischerei ist ein anderes Thema …

Artikelbilder © Marc C. Schmidt http://fresh-info.de

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