Propellerhead Balance Praxis-Test

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Nach dem ich Propellerheads Balance vorgestellt hatte, habe ich das USB Audio-Interface einem intensiven Praxis-Test unterzogen. Bereits kurz nach dem Einschalten offenbarten sich die ersten Schwachstellen, die ich im Fieber meiner freudigen Erwartungshaltung fast übersehen hätte.

Vorab: In Sachen Workflow ist Balance der Hit. Insgesamt können 2 Mikrofone, 2 Instrumente (z.B. Gitarre) und 4 Line Inputs gleichzeitig angeschlossen werden. Das sind insgesamt 8 Inputs, die nicht immer neu verdrahtet werden müssen. Super! Welcher der Eingänge für die Aufnahme „scharf“ geschaltet wird, wird per Taster am Gerät und in der DAW geregelt. Also Input 1 Mono oder Input 2 Stereo. Dabei können jedoch nicht mehr als 2 Spuren gleichzeitig aufgenommen werden. Theoretisch. Dazu aber später mehr …

Propellerhead_Balance_Volume

Meine Audio-Workstation ist wie folgt verdrahtet: Die beiden XLR-Inputs dienen mir zum Anschluss von Kondensator- und Großmembranmikrofonen, in den hochohmigen Guitar-Inputs enden die Klinke-Kabel für E-Bass und E-Gitarre. In Eingang 1 und 2 von Line 1 stecken die Ausgänge meines Bellari RP 250 Tube-Preamps (für dynamische Mikros wie das Shure SH 55), in Eingang 1 von Line 2 steckt mein Line6 POD XT, in Eingang 2 von Line 2 der VOX Tonelab EX. Für die Abhöre habe ich an den Ausgängen 2 aktive EMES Studiomonitore angeschlossen. Der Kopfhörer ist immer angesteckt.

Propellerhead_Balance_Klinkestecker

Unterm Strich verwalte ich mit Balance 4 Mikrofone und 4 Instrumente. Und eines kann ich jetzt schon sagen: Nie zuvor ging mir der schnelle Wechsel zwischen den Eingangssignalen so gut von der Hand. Das Interface erleichtert die Studioarbeit in vielerlei Hinsicht. Dafür geht der Daumen hoch. Ganz hoch!

Das einzige Manko in der Bedienung liegt in der Sichtbarkeit der aktiven LED‘s, denn die sind bei Tageslicht nur ganz schlecht zu erkennen. Da muss nachgebessert werden.

Propellerhead_Balance_LED

Ernüchternd war auch die Arbeit mit dynamischen Mikrofonen, denn den verbauten Vorverstärkern fehlt es an den nötigen Gain-Reserven. Ob Shure SH55, Shure SM58 oder Sennheiser MD441, das Eingangssignal kommt im Rahmen einer Sprachaufnahme bei voll aufgedrehtem Pegel (auch am PC und in der DAW) kaum über die Mitte der Pegelanzeige hinaus, was für zu leise Aufnahmen sorgt. Normalisieren hilft da nix, weil auch das Rauschen verstärkt wird.

Auswahl_Mikrofone_Propellerhead_Balance

Dass dieser Umstand bisher in keinem Testbericht erwähnt wurde, zeigt, dass Journalisten ihr Geld mit dem Schreiben von Artikeln verdienen und nicht mit dem Testen von Geräten.

Zum Thema Rauschen ist zu sagen, dass die verbauten Preamps trotz fehlender Gain-Reserven nur sehr wenig durchlassen. Dennoch bleibt ein gewisser Anteil an Nebengeräuschen nicht aus. Leider fehlt es Reason Essentiale als auch Reason 7 einer passablen Lösung, denn die Entwickler waren bisher zu bequem einen Denoiser oder ähnliches zu entwickeln. An dieser Stelle wird der Audio-Sektion zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Bellari_Preamp

Wer also seine dynamischen Mikrofone an Balance anschließen will, sollte das mit einem Vorverstärker tun. Gerade für Recording-Einsteiger (und das ist die Zielgruppe für Balance in Verbindung mit Reason-Essentials) dürfte das ein Wehrmutstropfen sein.

Aber auch Musiker, die Balance mit anderen DAW‘s betreiben wollen werden Augen machen, denn der Eingangspegel ist noch niedriger als in Reason. Ich habe das einfach mal mit GarageBand getestet und war wenig erfreut.

Ein absoluter Schuss in den Ofen ist die Tatsache, dass Balance nach dem Start des Computers nicht erkannt wird und der USB-Anschluss abgezogen und wieder eingesteckt werden muss. Dann aber muss – wenn Reason geöffnet war – in den Einstellungen das Interface erneut zugewiesen sowie die Auflösung neu eingestellt werden. Unterirdisch!

Grossmembran_Mikrofon

Großmembran- und Kondensator-Mikrofone hingengen bieten ausreichend Pegel. Das macht Balance wieder Spass und die Clip-Funktion auch Sinn. Mit einem Klick auf die gleichnamige Taste wird während der Aufnahme ein zweites, niedriger ausgesteuertes Signal mit aufgenommen. So wird kein Take von der digitalen Übrsteuerung zerhackt. Sehr gute Sache! Da geht wieder der Daumen hoch.

Aber auch mit der Abschirmung stimmt alles. Das Balance steht 5 Zentimeter von der aktiven Monitorbox und 10 cm vom iMac entfernt und es sind keine Einstreuungen zu vernehmen. Das reicht für Homerecording in der Telefonzelle!

Praktisch ist auch die Tatsache, dass Balance den Ignition Key (Dongel) ersetzt. Einmal registriert, werden die vorhandenen Lizenzen auf das Gerät geschrieben und sind für Unterwegs verfügbar. Auch das ist sehr praktisch.

Das Fazit …
Trotz kleiner Schwächen, die unbedingt von den Propellerheads nachgebessert werden sollten, bleibt ein guter Eindruck zurück. Für alle, die bereits über vernünftige Großmembran- Kondensatormikrofone oder eben über einen Preamp in Kombination mit dynamischen Mikros verfügen, ist das USB-Interface Balance eine runde Sache. Es macht Spass und liefert sehr gute Ergebnisse. Wenn auch mit Umwegen …

Gestestet wurde Propellerheads Balance an einem iMac 2,5 GHz Intel Core mit 12 GB RAM und der Betriebssystemversion Mac OS X 10.7.5.

Artikelfotos Marc C. Schmidt http://fresh-info.de

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