Amp oder Re-Amp?

Georg_auf_Buehne

Beim Re-Amping wird das aufgezeichnete (neutrale) Gitarrensignal nachträglich durch einen Amp oder einen Amp-Simulator geschickt und erneut aufgezeichnet.

Der Vorteil: Der Sound der Gitarre kann in jeder Hinsicht neu gestaltet werden. Über einen Blues-Combo, ein Heavy-Metal Stack oder ein Kofferradio. Meist endet die Gitarrenspur jedoch in einem digitalen Amp-Simulator (Line6 Pod o.ä.).

Moderne Produzenten loben die Vorteile dieser Arbeitsweise, bodenständige Musiker beklagen den Ansatz. Aber wer liegt richtig?

Telecaster_Finger

Ganz einfach! Gitarristen formen den Ton mit den Fingern und reagieren dabei auf das, was sie hören. Also auf den Sound, der während des Spielens aus dem Verstärker kommt.

Bei der Verwendung eines Röhrenverstärkers zeigt sich dieser Effekt am deutlichsten. Ein harter Anschlag bringt – je nach Einstellung – einen angezerrten bis verzerrten Ton hervor, ein leichter Anschlag ein unverzerrtes Klangbild. Das beeinflusst die Spielweise des Musikers immens. Bei jedem Ton reagiert der Gitarrist auf seinen Amp, richtet seine Anschlagtechnik darauf aus, erhöht die Dynamik oder nimmt sie zurück …

Line6_Propellerhead_Reason

Wird nun nur das per DI-Box aufgezeichnete Originalsignal durch einen anderen Amp bzw. Amp-Simulator geschickt, verhält sich die Tonerzeugung komplett anders. Das gibt zwar Raum für Experimente, macht es jedoch nicht besser, da es dem Klangverhalten in seiner Gesamtheit an Authentizität fehlt. Und genau das ist es doch, was die meisten Gitarristen wollen. Jeder strebt nach dem eigenen, unverwechselbaren Ton und der wird eben in Interaktion mit dem Amp geformt, den man zu spielen gewohnt ist.

Das letzte Mal, als ich meine Gitarre durch einen VOX AC30 (Aufnahme mit SM57) geschickt und das Signal parallel dazu über eine DI-BOX aufgenommen und anschließend über den Line6 POD XT (AC30-Simulation) ge-reampt habe, war da wieder mein debiles Lachen …

Fazit: Unmusikalisch aber wertvoll …
Damit keine Missverständnisse aufkommen. Reamping kann schon eine gute Sache sein. Sound-Designer haben bestimmt ihre wahre Freude daran. Mit der Interaktion, die zwischen Gitarrist, Instrument und Amp stattfindet, hat das Ganze aber nichts zu tun. Zu weiten Teilen sind die Ergebnisse einfach unmusikalisch. Deswegen wird jeder geübte Gitarrist entweder seinen Amp benutzen oder direkt über eine Amp-Simulation spielen …

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