Akustik-Gitarre aufnehmen

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In Sachen Recording gibt es einiges zu beachten. So auch bei der Aufnahme von Akustik-Gitarren. Selbstredend gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Doch trotz aller Experimentierfreude ist Zurückhaltung angesagt, denn geht es zu Beginn der Recording-Session erst einmal um ein sauberes Signal, das bereits in unbearbeiteter Form gut klingt. Es geht in dieser Phase um das Instrument, das Spielvermögen des Musikers, den Raumklang und die Auswahl bzw. Positionierung der Mikrofone. Effekte, Plug-Ins oder Dynamikbearbeitung werden erst viel später ein Thema …

Trocken muss es sein …
Erste Frage: Wo – also in welcher Umgebung – wird aufgenommen, denn der Raumklang wird mit dem Gitarrensignal aufgezeichnet. Da ist nix mehr mit „Fix it in the Mix“. Ist der Nachhall erst einmal auf Band, macht auch kein Plug-In mehr was …

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Um das Signal „trocken“ zu legen, muss der Raum gedämmt werden. Das geht mit Akustikmodulen oder eben auch ganz einfach mit dicken Wolldecken, Vorhängen oder sonst was. Hauptsache, das Material hat „Dämmkraft“. Eierkartons nutzen da nix. Das ist nur eine Legende. Messungen haben ergeben, dass es mit der Presspappe ebenso dröhnt, wie ohne. Einfach zwei Stühle vor den Aufnahmepunkt stellen, Decke drüber und hören, ob es was bringt. Händeklatschen kann beim Einschätzen des Nachhalls schon helfen – gilt sogar als anerkannte Methode. Also keine Hemmungen. Aber bitte nicht zu großzügig dämmen, denn auch das geht auf Kosten der oberen Frequenzbereiche. Zuviel Stoff verschluckt die Höhen. Das Signal klingt dann tot, farblos und matt. Also Vorsicht!

Die Hinweise zur Raumdämmung gelten auch für das Recording von Sängern, Bläsern, Streichern und anderen akustischen Instrumenten. Für den Mann am Mixer sind „trockene“ Signale einfach besser zu verarbeiten als „nasse“, in Raumklang gebettete Signale.

Das richtige Mikrofon …
Kommen wir zum Mikrofon. Bewährt und immer gerne genommen sind Kleinmembranmikrofone bzw. Kondensatormikrofone, die für einen „hellen“ Sound sorgen.

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In meinem Studio kommt das Sennheiser E 914 Kondensatormikrofon zum Einsatz. Die Richtcharakteristik ist Niere, was für einen geringen Raumanteil sorgt. Ein klarer Vorteil fürs Homerecording. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch der 3-stufige Low-Cut, der wummernde Bässe zu vermeiden weiss.

Wem die knapp 400 Euro zur teuer sind, kann auch auf ein dynamisches Mikrofon wie das Shure SM57 zurückgreifen, das bereits für 109 Euro zu haben ist. Für eine Rhythmusgitarre, die in den Hintergrund gemischt wird, reicht das allemal …

Das Mikrofon: Die richtige Position
So und wohin mit dem Ding? Da gibt es mehrere Positionen, die in Frage kommen …

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Wer einen „mittigen“ Sound mag, sollte das Mikrofon zwischen Steg und Schallloch positionieren. Greifgeräusche sind in dieser Position kaum zu hören.

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Wer ein rundes und ausgewogenes Klangbild bevorzugt, richtet das Mikrofon am besten auf die Stelle aus, wo der Hals in den Korpus übergeht. Die Greifgeräusche sind dann aber lauter.

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Der Abstand vom Mikrofon zur Gitarre sollte irgendwo zwischen 30 (mindestens) und 50 Zentimeter liegen. Um so größer die Entfernung vom Instrument, um so mehr Raumanteil kommt auf die Aufnahme. Im Zweifel sollte der Abstand unter schlechten Aufnahmenbedingungen (stark reflektierender Raum) so gering wie möglich sein. Wir reden hier schließlich nicht über eine Kirchenorgel. In einem für Aufnahmen geeigneten Raum hingegen, macht es Sinn, die Entfernung zu erhöhen, da das Signal dadurch „luftiger“ klingt. Ausprobieren ist da unumgänglich.

Stereoaufnahme: Aus eins mach zwei …
Stereoaufnahmen sind dann zu empfehlen, wenn das Instrument im Vordergrund steht und im Mix präsent sein soll.

Mir gefällt da die Kombination aus Klein- und Großmembranmikrofon. Das Kondensatormikrofon sorgt für die bissige Höhen, das Neumann U 89 i (70er Jahre Modell) für die Fülle. Das U 89 i arbeitet dabei mit Kugel-Richtcharakteristik.

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Übereinander positioniert kann man wieder zwischen Steg und Halsende variieren. Aber auch andere Kombinationen können gute Ergebnisse liefern. So kann zum Beispiel auch das Kondensatormikrofon auf die Hals Korpus-Postion und das Großmembran auf den Punkt zwischen Schalloch und Steg ausgerichtet werden. Einfach mal ausprobieren.

Das Fazit …
Die Aufnahme hängt im Ergebnis von mehreren Faktoren ab. Ob Musiker, Gitarre, Raum oder Mikrofon, alles spielt eine Rolle. Klingt das trockene Signal nicht, muss einer der Parameter (Dämmung, Mikro, etc.) verändert werden. Plug-Ins und Equalizer machen es nicht besser. Dass der Gitarrist vor der Aufnahme neue Saiten auf das Instrument zieht und für eine ordentliche Stimmung sorgt, will ich an dieser Stelle nicht ausweiten …

Beim Aufzeichnen sollte darauf geachtet werden, dass mit einer Auflösung 24 bit aufgenommen wird, da eine Akustikgitarre über einen enormen Dynamikumfang verfügt. Kurz gesagt wird das Signal dadurch lebendiger.

Artikelbilder Marc C. Schmidt http://fresh-info.de

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